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Jan bleibt allein

Wenn in unserer Stadt von Taschendieben, Drogenhändlern und Prostitution gesprochen wird, ist vom Theaterplatz garantiert nie die Rede. Das hat einen einfachen Grund, hier gibt es keine Menschen.

Eisige Stürme im Winter und ein Wüstenklima im Sommer schaffen auf diesem Platz eine extrem lebensfeindliche Atmosphäre. Selbst die wetterfesten, stets mit Funktionsbekleidung und Pudelmützen ausgestatteten Mitglieder der Pegida-Sekte, die ja eigentlich Opernhäuser als Hintergrund für ihre Versammlungen sehr schätzen, hielten es hier nur einmal aus. Sie zogen als Treffpunkt dann doch eine windgeschützte Niesche neben dem Karl-Marx-Kopf vor. Der Theaterplatz ist umgeben von den Gebäuden der Kunstsammlungen, dem Opernhaus, der Petrikirche und dem Hotel Chemnitzer Hof. Schlauerweise können Interessierte diese Einrichtungen besuchen, ohne zwingend den Platz überqueren zu müssen. Anstatt sich damit zufrieden zu geben, lobte die Stadt in den neunziger Jahren einen Architekturwettbewerb zur Neugestaltung des Geländes aus. Ein Gewinner wurde gekürt und 1995 erfolgten die Bauarbeiten, deren Ergebnis wir heute bewundern dürfen. Ein rasterförmiges Muster im Bodenbelag lässt den leeren Platz noch öder und weiträumiger erscheinen, der Höhenunterschied zur benachbarten Straße der Nationen wurde durch eine unglückliche halbrunde Freitreppe überbrückt. Diese Treppenanlage nennt sich angeberisch „Theatron“. Nach Architektenmeinung ein tolles Angebot als Aufenthaltsort und Freibühne für jedermann. Die Realität sieht anders aus. Wer soll sich ausgerechnet hier treffen, an einer langweiligen Treppe mit Blick auf einen langweiligen Platz? Der einzige Mensch, den man hier mehrmals im Jahr beobachten kann, ist ein armer Handwerker, der die Fugen zwischen den Treppenstufen mit Silikon abdichtet. Dadurch verhindert er unschöne Stalaktitenbildung an der Decke der unter dem Theatron befindlichen Tiefgarage. Da der Theaterplatz ohnehin nicht als beliebter öffentlicher Raum funktioniert, ist es auch nicht schlimm, dass er einmal im Jahr privatwirtschaftlich für die Veranstaltungsreihe „Filmnächte“ genutzt wird. Dann entsteht eine blick- und geräuschdichte Zeltlandschaft, die in ihrer seltsamen Sterilität zum Standort passt.

Foto: Maik Irmscher

 

Ecken und Enden: Im Hinterhof der Innenstadt
In zwölf Ausgaben haben wir etwas mehr als 100 Geschichten über Chemnitz erzählt. Ein Stadtporträt der anderen Art sollte es werden, ganz bewusst mit offenem Ausgang.

Jane checkt ein
Ich stelle meine geldschweren Koffer auf den toten Teppich und warte. Der Page, er kommt nicht. Mein Blick streift fragend die Stadt, aber sie starrt nur nichtssagend zurück.

Nina und der Goldene Karl
Mehr Premieren, mehr Konzerte – die Filmnächte Chemnitz sollen sich verändern. Der Begriff Spielfilmfestival schwebt im Raum.

Szymmi verirrt sich im Graben
Vorüber ist die Echtzeitillusion einer Geschichte und der letzte Gast längst auf dem Weg zur Garderobe, wenn im Orchestergraben das Arbeitslicht aufleuchtet. Es ist Abbauzeit.

Michael denkt kompakt
Der Theaterplatz, das ist da wo Chemnitz wie Dresden aussieht, da wo es so nach Hochkultur riecht mit Sandstein und Kupferdach. Was man nicht so gut sieht, ist, dass das Areal auch irgendwie das Chemnitzer Medienviertel ist.

Daniel und die Schwarze Acht
Zuverlässig steigende Einschaltquoten für Dart-Ereignisse im TV, ausgebuchte Kegelbahnen in der gesamten Stadt (zumindest um die Zeit der Betriebsweihnachtsfeiern)...

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