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Jan im Ermafa Country

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Einer, der für die Stadt so typischen perforierten Plätze, ohne Eckbebauung, ohne klare Randbegrenzung. Die Strassen sind selbstverständlich vierspurig und der hier zu findende Fahrradladen ist sicher der größte Europas.

Irgendwo im Buschwerk am Horizont verstecken sich die Schillingschen Figuren. Diese Figurengruppen standen ursprünglich an der Brühlschen Terasse in Dresden. Im Jahr 1898 schenkte sie der sächsische König der Stadt Chemnitz. Zunächst landeten sie neben der Petrikirche und zierten eine breite Treppe zwischen Theaterplatz und Schillerpark. 1928 mussten die Figuren dem Neubau des Hotels Chemnitzer Hof weichen und wurden später am Rand des Schlossteichparks wieder aufgestellt. Hier entdecken sie eigentlich nur aufmerksame Heimatkundler und Pilzsucher.  Die Angebote des  Konkordiaparks sind dagegen ohne Probleme zu orten. Kriminalitätsfördernde und den schnellen Überblick hemmende Bäume und Sträucher sind hier nicht im Übermaß gepflanzt worden. Auf dem übersichtlichen Gelände finden sich unter anderem Basketballfelder und eine opulente Skateanlage. Bemerkenswert sind auch mehrere Betonplatten, die Jugendliche zum Parcourklettern animieren sollen. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite steht die „Erste Chemnitzer Maschinenfabrik ERMAFA GmbH“, einst stolzer Hersteller von Torpedos und Textilmaschinen. Diese Fabrik verwandelte sich, wie viele andere Großbetriebe auch, in den 90er Jahren plötzlich in ein Einkaufscenter. Das hölzerne Liebesnest, eine Großplastik von Christoph Roßner, soll hier vielleicht Trost spenden. Das romantische Werk stand ursprünglich auf der Freifläche vor dem Kulturkaufhaus Tietz, dort wurde es von der Skulptur „Wellenflimmern“ der Künstlerin Kerstin Franke-Gneuß abgelöst. Der Auf- und Abbau der Kunstwerke erfolgte diskret und unspektakulär und möglicherweise findet sich auch das „Wellenflimmern“ eines morgens plötzlich auf dem weitläufigen Gelände des Konkordiaparks. Nichts scheint hier unmöglich. Aus der sozialistischen „Jugendmode“ wurde die leuchtende „Zukunft“ und die insolvente Kletterhalle verwandelt sich vielleicht in Europas höchsten Späti.

Text: Jan Kummer, Foto: Maik Irmscher


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