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Jan tritt nach

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Ist der Kaßberg das Paris des Ostens, oder der Prenzlauer Berg von Chemnitz, oder der Anti-Sonnenlenz? Ist er was für Hipster? Ist er gesättigt? Wohin wird er sich wohl entwickeln?

Zu den belebtesten, beliebtesten und mittlerweile teuersten Wohngebieten Deutschlands zählen das Schanzenviertel in Hamburg, Kreuzberg in Berlin oder Leipzigs Connewitz. Basis für eine positive Entwicklung dieser Stadtgebiete war stets ordentlich Stress mit der Polizei, Krawalle und Randale, eine hohe Kneipen- und Clubdichte und ein spürbarer Migrantenanteil an der örtlichen Bewohnerschaft.

Über diese, für ein hippes Quartier nötigen, Standortfaktoren verfügte und verfügt der Kaßberg leider nicht. Dieses Viertel war schon immer ein etwas bräsiger, gutbürgerlicher Wohnort, eine reichverzierte Schlafstadt für die Mittelschicht. Eine kurze Zeit, in den 90er Jahren, durften sich auch Geringverdiener und Lebenskünstler in den großzügigen Altbauten tummeln. Es gab sogar Musikclubs auf dem Kaßberg, die grünen Höfe luden zum Grillen und Rumlungern ein. Heute hat alles wieder seine angestammte Ordnung, Jägerzäune und Carports wurden errichtet, die Wohnungen tiptop trockenbausaniert. 100 Meter Weihnachtsmarkt - so sieht es aus, wenn dieser Stadtteil mal so richtig ausflippt. Mehr geht nicht, aber das ist nicht schlimm, denn der Kaßberg muss sich nicht entwickeln, niemandem etwas beweisen, er ist bereits seit der Gründerzeit fertig.

In den prächtigen Bürgerhäusern von Paris können schon lange keine normalen Menschen mehr leben, hier hat die Gentrifizierung hart zugeschlagen, wollen wir hoffen, dass sich auch zukünftig der Kaßberg-Beiname „Paris des Ostens“ nur auf die Bausubstanz bezieht und nicht auf die Mietpreisentwicklung. Falls nicht, bleibt als Ausweichort der interessante Sonnenberg.

Text: Jan Kummer Foto: Maik Irmscher


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