Magazin

Jan und der Nasenbrunnen

Veröffentlicht am:

Es gab eine Zeit, da lebte Wladimir Putin noch in Dresden, Frau Merkel arbeitete als Physikerin und Helmut Kohl wurde als Birne verspottet. Zu dieser Zeit beabsichtigten in Ostdeutschland weise alte Männer, ein Arbeiter- und Bauernparadies zu erschaffen und wieder einmal beugte sich der Staatsratsvorsitzende der DDR und Generalsekretär der SED, der große Visionär und kreative Vordenker des ostdeutschen Volkes über den Stadtplan von Karl-Marx-Stadt.

Was könnte man noch verbessern, was könnte noch errichtet werden in der sozialistischen Musterstadt? Irgendwie wollte Erich Honecker nichts einfallen, vielleicht lag das am Schnupfen, der den Staatschef schon eine Weile quälte. Plötzlich bildete sich ein Tropfen an seiner geröteten Nase, keiner der umstehenden Berater wagte es, den großen Vorsitzenden auf diese Peinlichkeit hinzuweisen. Der Tropfen wurde größer und größer, löste sich schließlich und bildete auf dem Stadtplan einen dunklen Fleck. Ein Wunder, ein Zeichen, riefen die Berater und Stadtplaner. Was sollen wir mit diesem edlen Klecks auf der Karte tun, oh Herr? Erich Honecker dachte kurz nach und beschloss: An der Stelle des Flecks soll ein Park errichtet werden, ein Park nur für die Jugend. Gesagt, getan! In Windeseile entstand, gleich neben der Schlosskirche, ein zauberhaftes Architekturensemble mit Freitreppe und Wasserspiel. Die Brunnenfläche im Park wurde in Anlehnung an das Symbol des V.Jugendfestivals der DDR wie eine Festivalblume gestaltet.

Viele wunderschöne Plastiken, Skulpturen und Blumenkübel wurden aufgestellt, alles war bereit für einen gepflegten Treffpunkt der Buben und Mädel einer sozialistischen Großstadt. Was jedoch weder der große Generalsekretär noch seine Berater ahnten, ihr schönes, kleines Land war dem Untergang geweiht. Die undankbare Jugend interessierte sich nicht für ihren Park, finstere Mächte und üble Ränkeschmiede zerstörten die Deutsche Demokratische Republik und Erich Honecker wurde verjagt. Jetzt heißt der Park der Jugend Schlossbergpark und ein paar frankophile Bürger treffen sich hier regelmäßig, um sich dem Boule-Spiel zu widmen. Die Jugend trifft sich andernorts.

Text: Jan Kummer Foto: Lars Neuenfeld


Von Ecken und Enden: Am Ursprung
Eigentlich relativ unspektakulär. Hier, so am Ursprung. Hier, wo im Jahr 1136 mit der Gründung eines Benediktinerklosters gleichzeitig die Geschichte von Chemnitz beginnt.

Nina zieht um
Chemnitz hatte bis in die Neuzeit einen Türmer. Nun ist das Amt verwaist. Für Nina Anlass genug, mal über ihre Zukunft nachzudenken.

Michael schlägt den Bogen
Also wenn die Chemnitzer Museumslandschaft die Fanta Vier sind, dann ist das Schlossbergmuseum Andy Y. Während die anderen drei ständig im Rampenlicht stehen, sitzt das Schlossbergmuseum unauffällig im Hintergrund und haut die Baselines raus, die das Ganze zusammenhalten.

Lars hat Schmerzen
Jährlich gibt die AOK einen Gesundheitsbericht heraus. Daraus könnte man doch einen Artikel machen: Schockierend! So krank ist Chemnitz wirklich!

Szymmi geht zur Gastro um die Ecke
Das Fachwerk-Viertel am Schlossberg gilt als Chemnitzer Bermuda-Dreieck der gutbürgerliche Gastronomie. Szymmi speiste hingegen im Gastro-Eck, nur 100 Meter entfernt, und fand eine ehrliche Hausmannskost.

Johanna geht spazieren
Es gibt Orte in Chemnitz, die sind tatsächlich schön, und deshalb fast schon wieder hässlich. Der Schlossteich könnte so ein Ort sein. Oder besser: Er ist so ein Ort.

Zurück