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Michael und die Marktwirtschaft

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Der Tassenbrunnen, der nie gebaut wurde. Das Pflaster, welches eben noch für teures Fördergeld verlegt, bereits wieder modernisiert werden musste. Die Bäume, die wohl nie gepflanzt werden – na gut, vielleicht einer oder zwei im Kübel. Und zuletzt die Bekämpfung der Farbanarchie auf den Marktstandplanen. Über kaum etwas diskutiert der Chemnitzer so gern wie über seinen Marktplatz. Dabei ist der große Platz im Zentrum ja irgendwie sein hässliches Stiefkind. Die Konsumtempelbausünden der späten 90er und frühen 2000er umschließen das karge Pflaster monolithisch. Kleine Cafés oder malerische Winkel sucht man hier vergebens, da kann auch der letzte Rest historischer Bausubstanz nix reißen. Hätte er welche, könnte man auf dem Markt die Bürgersteige nach 20 Uhr getrost hochklappen. Wenn von der Galerie Roter Turm bis zum Pfennigpfeiffer am Rosenhof kein Geschäft mehr begangen werden will, herrscht auch auf dem Areal dazwischen weitgehend Funkstille. Doch am Samstagvormittag, kommen die Bürger der Stadt wieder in Großzahl auf ihren Markt. Da schlendern vor allem Senioren und Migrantenfamilien einhellig auf der Suche nach günstigen Erdbeeren und Sauerkraut im Becher um die wuselige Wagenburg. Zahlreich sind die Türme aus verlockenden Früchten, farbenprächtig die Blumenstände. Vom Basar aus Tausendundeinernacht allerdings ist das deutsche Händlervolk weit entfernt. Gefeilscht wird nicht. Doch spätestens, wenn Obstsalate am frühen Nachmittag kiloweise für 50 Cent verkauft werden, kennen sie kein Halten mehr. Berühmt berüchtigt ist auch der unter dem Decknamen „Jahrmarkt“ firmierende Schlüpfermarkt, der an jedem ersten Montag des Monats Feinrippbuxen in XXL und Kamelhaarpantoffeln für Vati feilbietet. Das sind einfach Trikotagenangebote, bei denen Kaufhof nicht mithalten kann. Und irgendwie wächst er einem so auch ans Herz dieser viel zu weitläufige Funktionsplatz. So wie Opas alter Fiat Panda mit Kunstfellbezug. Irgendwie liebenswert, auch wenn man ihm durchaus einen schönen Neuen gönnen würde. Man sollte ihn mal wieder besuchen. Am Samstag zwischen 8 und 13 Uhr ist bestimmt jemand zu Hause.

Text und Foto: Michael Chlebusch


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