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Michael denkt kompakt

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Gleich gegenüber geht‘s die Carolastraße rauf und da gibt es das Medienhaus, in dem beim Sachsenfernsehen die wohl dynamischst rotierende Drehscheibe der Republik produziert wird. Da unterhält auch der MDR sein Chemnitzer Regionalstudio und sendet das Radio Chemnitz seine GuteMorgenLaune ins Land. Nebenbei sei erwähnt, dass für jemanden, der um vier Uhr fünfzig schon so wach klingen kann, wie „André und die Morgenmädels“ die Stadt mal sowas wie den goldenen Kaffeepott stiften sollte. In Wurfweite zum Theaterplatz finden sich auch die Studios des ewigen 371-Leserpoll-Siegers Radio T und seine baldige Residenz, das Musikkombinat. Und dann gibt‘s da noch ein Videostudio, das keiner auf dem Schirm hat (pun intended): in der TU Chemnitz. Das wurde dort vor etwa 10 Jahren im Rahmen eines Forschungsprojekts zum Lokalfernsehen aufgebaut. Das Projekt ist längst ausgelaufen, aber das Studio blieb. Großer Bluescreen, viele Lampen und ein paar unverwirklichte Ideen, wie das Studenten-TV im Jahr 2013. Nun kam Anfang Februar wieder Sendebetrieb in die blaue Halle. TUCtalk heißt ein neues Format, mit dem TU-Rektor Prof. Dr. Gerd Strohmeier Kommunikation und Transparenz an der Uni stärken will. Das ist zwar kein großes Kino, aber Pflichtübung für eine Uni, die Medienproduktion, -kommunikation und -psychologie zu ihren Studienmöglichkeiten zählt. Kleines Kino wurde da aber auch schon gemacht. Die Chemnitzer Filmwerkstatt durfte hier ihre Darsteller lieber vor der blauen Wand umkippen, als sie wirklich vom Dach des Schauspielhaues zu schubsen. Doch wenn es etwas mehr Platz braucht, dann wird es im Medienviertel schnell eng. Den großen Greenscreen mussten die Filmer dann auf den Bühnen im Schauspielhaus oder im Fritz Theater aufhängen. Denn so ein richtiges Filmstudio fehlt zwischen Oper und Lokalfernsehen – auch inhaltlich. Denn während die Chemnitzer Filmszene auf internationalen Festivals gern gesehener Gast ist, steht sie vor Ort derzeit meist auf geborgten Beinen. Man erinnert sich vielleicht an die goldene Zeit des Kulturpalastes, in dem das DDR-Fernsehen ein großes Studio betrieb und wo der Herr Kummer von der letzten Seite einst die Kulissen baute. Die sind inzwischen zu Holzwurmmehl zerfallen. Das Gebäude seit dem Weggang des MDR im Jahr 1999 verwaist. Aber nun hat die Stadt ja auch Pläne für ein neues Theaterquartier. Unlängst wurden 700.000 Euro für die Planung des Schauspielhaus-Umzugs an den Theaterplatz vom Stadtrat bewilligt. Vielleicht wäre das eine gute Zeit, einen Schritt weiter zu denken und daneben auch eine Erweiterung zu sondieren, die Räume für Neues schafft. Die freundschaftliche Zusammenarbeit, die es zwischen Theater und Film in der Stadt schon gibt, die gefilmten Radiosendungen und Musikvideoproduktionen, die immer wieder entstehen, das alles bekäme ein Dach unter dem alles zusammenläuft. Dann wäre das Chemnitzer Medienviertel auch nicht mehr nur etwas, das sich der Autor eines kleinen Stadtmagazins am Sonntagnachmittag zusammenschreibt. Ja, so ein Filmstudio würde Chemnitz auch ohne Sandstein und Kupferdach gut aussehen lassen.

 

Ecken und Enden: Im Hinterhof der Innenstadt
In zwölf Ausgaben haben wir etwas mehr als 100 Geschichten über Chemnitz erzählt. Ein Stadtporträt der anderen Art sollte es werden, ganz bewusst mit offenem Ausgang.

Jane checkt ein
Ich stelle meine geldschweren Koffer auf den toten Teppich und warte. Der Page, er kommt nicht. Mein Blick streift fragend die Stadt, aber sie starrt nur nichtssagend zurück.

Jan bleibt allein
Wenn in unserer Stadt von Taschendieben, Drogenhändlern und Prostitution gesprochen wird, ist vom Theaterplatz garantiert nie die Rede. Das hat einen einfachen Grund, hier gibt es keine Menschen.

Nina und der Goldene Karl
Mehr Premieren, mehr Konzerte – die Filmnächte Chemnitz sollen sich verändern. Der Begriff Spielfilmfestival schwebt im Raum.

Szymmi verirrt sich im Graben
Vorüber ist die Echtzeitillusion einer Geschichte und der letzte Gast längst auf dem Weg zur Garderobe, wenn im Orchestergraben das Arbeitslicht aufleuchtet. Es ist Abbauzeit.

Daniel und die Schwarze Acht
Zuverlässig steigende Einschaltquoten für Dart-Ereignisse im TV, ausgebuchte Kegelbahnen in der gesamten Stadt (zumindest um die Zeit der Betriebsweihnachtsfeiern)...

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