Mit dem Motorschiff zum Festivalgipfel
Neues Festival im Erzgebirge
Ankerlos und mit lichten Leinen schippert die M.S. Beat in Richtung Erzgebirge. In den Kajüten des Festival-Dampfers schlummern Bands und DJs aller Couleurs, an Deck wuselt der eigens gegründete Huhlern e.V., um das Schiff pünktlich zum 27. August ins Dock zu bringen. Doch ein solches zu finden, war zunächst eine wahre Odyssee für die 15-köpfige Festivalcrew.
Privat veranstalteten die M.S. Beat-Macher schon die ein oder andere
Großfeier, wussten also prinzipiell wie’s läuft, erklärt Frank Roscher
vom Verein. Aber um das Festival auf die nächste Stufe zu heben,
bedurfte es einer offiziellen Organisation im Vereinsgewand. Huhlern,
erklärt Vorstand Markus Tümpel für Flachlandbewohner, das ist das was
im Erzgebirge das Feuer im Ofen macht, wenn es ordentlich kachelt. Aber
es zeigte sich: Auch mit viel Feuer und guten Ideen ist in der Region
schnell der Ofen aus, wenn Entscheidungsträger nicht nachlegen.
Für das M.S. Beat hieß das, zwar schon eine ordentliche EU-Förderung
für Jugend in Aktion in der Tasche zu haben, aber von Bürgermeistern
abgewiesen, vertröstet und nicht ernst genommen zu werden, wenn es um
das passende Gelände ging. Als Phäakenstrand erwies sich letztlich das
Oberbecken in Markersbach – dort gibt es viel Platz, viel Ruhe und mit
über 800 Meter über NN nun das höchste Festival der Welt, mindestens
aber Mitteldeutschlands.
Da werden nun drei Tage, zwei Bühnen und jede Menge Subkultur gefeiert. Mit dabei ist Plattendreher Marco Stahn, der als Steuermann durch das Festival navigiert. Dessen Kurs zwischen Punk und Elektronika gilt zwar als kurvenreich, doch besteht keine Gefahr, auf Grund zu laufen. Das Lineup sei wie ein guter Plattenschrank, so Stahn. Darin gebe es in der Regel auch nicht nur Musik einer Richtung. Zudem sollte es nicht zwei Headliner und viel Füllmaterial geben, sondern eher Anspruchsvolles auf breiter Basis. Darunter Perlen, wie etwa die Berliner Bulldogs, die als seltener Live-Dubstep-Act ein komplett neues Set präsentieren.
Neben der Musik gibt es allerdings nicht nur Bauzaun und Menschen, sondern ein Corporate Geländedesign samt darin platzierten Workshops, Kinozelt und Kunstaktionen. Zudem keine Werbung, kein Kommerz und auch keine Tanke um die Ecke. Aber die Verpflegung auf dem Gelände sei auch so bezahlbar gesichert, versichert Markus Tümpel. Damit das so bleibt, werden auch nicht mehr als 1000 Karten verkauft. Wer davon eine gratis ergattern möchte, kann das auf der M.S. Beat Warmupparty am 7.8. im Kombinat auf der Palmstraße tun und sich freuen, dass nun auch die Pampa Südsachsens eine Festivalreise wert ist.
erschienen im 371 Stadtmagazin: 08/2010,
Text: Michael Chlebusch, Illustration: Flyer / Promo



