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Ungehobener Schatz

Dix-Jahr enthüllt Erstaunliches

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Thomas Bauer-Friedrich vor dem ersten Dix-Selbstporträt „Mann mit Hut“

2011 ist Dix-Jahr. Vor 120 Jahren wurde der berühmte Maler geboren. Weil das Museum Gunzenhauser weltweit den umfangreichsten Sammlungsbestand an dessen Werken besitzt, ist die Stadt neben der Dix-Geburtsstadt Gera das Zentrum der Würdigungen. Lars Neuenfeld sprach mit Thomas Bauer-Friedrich (Kurator im Museum Gunzenhauser) über Otto Dix und dessen erstaunlichen Bezug zu Chemnitz.

Zum ersten Mal überhaupt wird einem Künstler in Chemnitz ein ganzes Themenjahr gewidmet. Warum?
Dass es eine gewisse Erwartungshaltung an uns aufgrund der Sammlung gibt, merken wir schon seit 2007. Immer wieder wurden wir nach unserem Beitrag zum Dix-Jahr gefragt. Eigentlich wollten wir „nur“ eine Sonderausstellung machen, doch daraus wurde dann immer mehr und nun füllt das Programm ein ganzes Jahr.

Es gibt gleich zwei Sonderausstellungen. Am 14. Mai beginnt eine Ausstellung mit Selbstbildnissen. War Dix jemand, der sich gern selbst gemalt hat?
Die Auseinandersetzung mit sich selbst ist ja ein Thema für alle Künstler. Bei Dix ist sicher das Besondere, dass es von ihm Selbstbildnisse aus allen Lebensphasen gibt, von der Studentenzeit bis ins letzte Lebensjahr. Es sind um die 200 Motive bekannt, was schon außergewöhnlich viel ist. Aber es ist absolut spannend zu sehen, wie sich ein Künstler entwickelt, von ganz strengen naturalistischen Darstellungen in den frühen Jahren bis hin zu sehr freien, rein informellen Arbeiten in den 60er Jahren. Es gibt eben nicht nur einen Dix, und das sieht man exemplarisch an seinen Selbstbildnissen.

Ein besonderes Highlight ist die Ausstellung zu einem großen Panorama-Bild, das Dix 1938 in Chemnitz für eine Unternehmerfamilie malte, leider aber 1945 bei den Bombenangriffen zerstört wurde. Wie macht man eine Ausstellung zu einem Bild, das es gar nicht mehr gibt?
Ich war 2007 in einem Galeriekatalog auf maßstabsgetreue Vorarbeiten zu diesem Bild gestoßen. Seitdem beschäftige ich mich damit, habe in Archiven recherchiert und Nachfahren besucht. Dabei bin ich auf Dinge gestoßen, an denen man noch Jahre forschen könnte. Es ist ein ungehobener Schatz und ein Wespennest zugleich, in das man da stößt.

War Dix häufig in Chemnitz?
In den 30er Jahren ja. Interessanterweise beginnen seine Kontakte nach Chemnitz genau in der Zeit, als Dix in Dresden im April 1933 von den Nazis als einer der ersten Kunstprofessoren entlassen wurde. Zwei Familien, zu denen er ein freundschaftliches Verhältnis pflegte, haben ihn während der ganzen Nazizeit hindurch unterstützt, etwa durch den Ankauf von Werken, Einladungen oder eben dieses Auftragswerk. Zum einen die Familie des Zahnarztes Köhler, zum anderen die Brüder Max und Fritz Niescher, die in Chemnitz eine große Margarinefabrik führten. All das soll in der Ausstellung neben den angesprochenen Vorarbeiten zum Bild dokumentiert werden.

Die Ausstellungen werden von vielen Veranstaltungen begleitet. Gibt es eine, auf die du dich besonders freust?
Zunächst muss ich sagen, dass es mich unheimlich freut, dass ganz viele Chemnitzer Vereine, Künstler und Institutionen an diesem Rahmenprogramm mitwirken. Da fällt es schwer, eine Sache herauszupicken. Etwas Besonderes ist aber sicher das Jazzkonzert mit Jan Dix, dem letzten noch lebenden Sohn von Otto Dix. Er wird zusammen mit dem Chemnitzer Saxophonisten Christoph Modersohn im Schloßbergmuseum spielen. Der ist ja auch Nachfahre eines berühmten Malers, nämlich von Otto Modersohn.

Erschienen im 371 Stadtmagazin 05/11

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