Randsportarten in Chemnitz
Teil 7: Tanz mit den Seilen
Auf den ersten Blick möchte man Rope Skipping in die Riege der
Sportarten einreihen, hinter deren englischer Bezeichnung sich eine ganz
banale Aktivität versteckt. Mit Seilspringen im herkömmlichen Sinne
haben sie allerdings überhaupt nichts zu tun, stellen Frizzi Seltmann
und Claudia Neuber sofort klar.
Es sieht ein bisschen aus wie
Breakdancing mit erhöhtem Schwierigkeitsgrad. Zwei Seile schwingen zwei
Sportlerinnen gleichzeitig während zwischen ihnen eine Dritte
Liegestütze, Handstand oder Radschläge macht. Das als Kinderspiel
bekannte Seilspringen wird von den Rope-Skippern mit reichlich
turnerischen Elementen garniert, heraus kommt eine Mischung aus
Akrobatik und Synchrontanz – immer mit dem Seil dazwischen natürlich.
Dementsprechend unterscheidet sich auch die Ausrüstung: „Unter
Seilspringen versteht ja jeder nur den Jurte-Strick von der Oma, wir
dagegen haben Ketten-, Gummi- und Stahlseile“, erklärt Claudia Neuber
vom TSV Einheit Süd. Zu dem Chemnitzer Verein, der unter anderem Judo
und Schwimmen anbietet, gehört auch das Sportensemble, eine Abteilung
die sich auf showorientierten Turnsport spezialisiert hat und viele eher
randständige Sportarten wie zum Beispiel Rhönradturnen und
Kunstradfahren zusammenführt. Rope Skipping ist hier seit mehreren
Jahren ein fester Bestandteil.
Die Ursprünge des Rope Skipping liegen in den USA. Dort ist es schon
lange Wettkampfsport – und eine Männerdomäne. Männer hätten größere
Sprungkraft und seien deswegen eigentlich prädestiniert für diese
Sportart, erläutert Frizzi Seltmann, die ebenfalls beim TSV aktiv ist.
Hierzulande, wo sich Rope Skipping Anfang der 90er Jahre durchsetzte,
betreiben es Männer höchstens zum Warmlaufen. Wettkampfsport ist es in
Deutschland mittlerweile trotzdem. Dabei wird zwischen Speed- und
Freestyle-Wettbewerben unterschieden. Bei ersterem geht es unter anderem
darum, möglichst viele Sprünge in kurzer Zeit zu schaffen, der
Weltrekord liegt derzeit bei 99 kompletten Schritten in 30 Sekunden.
Bei
Freestyle-Wettkämpfen hat jeder Sportler oder jedes Team 45 bis 75
Sekunden Zeit, es kommt darauf an, die besten Sprünge zu zeigen, sich
passend zur musikalischen Begleitung zu bewegen und bei
Gruppenauftritten synchron zu springen. In diesem Bereich waren die
Chemnitzer Rope-Skipper besonders erfolgreich, zwei Mal konnten sie bei
den Deutschen Show-Meisterschaften den zweiten Platz erkämpfen. Zudem
treten sie regelmäßig auf Festen und Sportlerehrungen auf. Die Shows
lassen sie sich selbst einfallen. Die Möglichkeit ihrer Kreativität
dabei freien Lauf zu lassen, macht für Claudia Neuber den Reiz der
Sportart aus. Frizzi Seltmann schätzt darüber hinaus den Teamcharakter:
„Wir müssen uns immer abstimmen, das schweißt zusammen.“ Den nächsten
großen Auftritt der Rope-Skipper gibt es zur Gala anlässlich des
50-jährigen Bestehens des Sportensembles Ende September. Wer sich vorher
ein Bild machen oder Rope Skipping ausprobieren möchte, kann jeden
Freitag zwischen 16 und 18 Uhr und jeden Samstag zwischen 10 und 13 Uhr
in die Sporthalle der Gebrüder-Grimm-Schule kommen.
erschienen im 371stadmagazin 09/10,
Text und Foto: Benjamin Lummer
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