Randsportarten in Chemnitz
Teil 6: Balance und Baumschutz
Eigentlich ist es ein sehr unpassender Name. Slack, das steht für lose, schlaff, unbelebt. Die Sportart Slacken (auch Slacklining) ist dagegen alles andere als das – und würde mit einem allzu laschen Seil wohl auch nicht funktionieren. Beim Slacken wird ein Gurtband zwischen 25 und 50 mm Breite zwischen zwei Bäume gespannt um darauf zu balancieren, zu springen und Kunststücke zu vollführen.
Das Ziel ist einfach und klar definiert: Spaß haben. Die Ursprünge
des Slackens reichen drei Jahrzehnte zurück. In den 80er Jahren
begannen Kletterer im Yosemite-Valley, einem Kletter-El-Dorado in den
USA, bei Regenwetter auf Absperrketten zu balancieren. Irgendwann
spannten sie ihre Kletterseile und -Gurte auch bei gutem Wetter und
entwickelten damit eine Sportart, die mittlerweile zum Trend geworden
ist. Da beim Slacken sowohl Muskulatur als auch Gleichgewichtssinn
trainiert werden, nutzen es Kletterer und Skifahrer als Zusatztraining,
zuweilen wird es auch als Therapie zur Kräftigung von Bändern nach
entsprechenden Verletzungen eingesetzt.
Der Einstieg ins Slacken ist einfach, ein Anfängerset inklusive
Spannvorrichtung kann man schon für etwa 40 Euro bekommen. „Leider
liefern die meisten Hersteller keinen oder nur einen sehr einfachen
Baumschutz mit“, bemängelt Robby Speck (Bild) vom Verein Slackfest e.V.
Er gehört zu den Pionieren des Slackens in Chemnitz. Vor fünf Jahren
hat er damit begonnen, mittlerweile richtet er zusammen mit anderen
Slackline-Anhängern Workshops und Kinderkurse aus. Bei alledem ist ihm
Baumschutz wichtig. „Durch das Spannen des Gurtes wird die Rinde
abgewetzt und die Bäume gehen auf Dauer kaputt. In einigen Städten ist
Slacken in Parks deswegen offiziell verboten.“ Abhilfe ließe sich ganz
einfach schaffen: Ein alter Teppich wird zwischen Baum und Gurt
geklemmt und schon ist der Baum geschützt und den Kritikern der Wind
aus den Segeln genommen.
Mitte August werden er und die anderen Mitglieder des Anfang dieses Jahres gegründeten Vereins Slackfest e.V. besonders penibel darauf achten. Dann nämlich findet die vierte Auflage des Slackfestes am Kosmonautenzentrum im Chemnitzer Küchwald statt. Zum wahrscheinlich „ältesten und größten Slackfest in Deutschland“ – das in diesem Jahr vom AJZ veranstaltet wird – werden ähnlich viele Gäste wie 2009 (600) erwartet. Auf dem Programm stehen Trick-Wettkämpfe, Hochsprung- und Geschwindigkeits-Wettbewerbe, zudem wird es Workshops und Kurse für Kinder geben. Wer nicht bis dahin warten kann, der kann sich (bei gutem Wetter) jeden Mittwoch 16 Uhr im Hochseilgarten Chemnitz zum Slackline- und Klettertreffen einfinden. www.slackfest.de
erschienen im 371 Stadtmagazin: 08/2010,
Text & Foto: Benjamin Lummer
Weitere Artikel zu Randsportarten: Teil 5: Kein Sport für Unmusikalische
Twittern
