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Szymmi schleicht vorbei

Ach, diese Krähen. Seltsame Tiere für wahr. Sitzen sie dann noch zu tausenden in den Bäumen an den Hängen des Kaßbergs, wird der Gang in die Stadt oder von der Stadt hinauf eine prickelnde Reise durch Mythos und Wissenschaft.

Von Äsop bis zu den Gebrüder Grimm und weiter. Die Krähe fasziniert. Ob als Verkörperung des wissenden Heilkundigen, als Begleiter in die Unterwelt oder Vorboten von Tod und Verderben  - sie ist ein wandelbarer Vogel, dem ambivalente Motivationen zugesprochen werden. So überrascht es nicht, dass Raben und Krähen zusammen die Gattung Corvus in der Familie der Rabenvögel bilden. Hier macht nur die Größe den Unterschied.

Den wissenschaftlichen Nachweis der mythischen Annahme, dass es sich bei der Krähe um ein ausgesprochen intelligentes Lebewesen handelt, konnten 2014 Neurobiologen der Universität Texas in Houston und Kognitionspsychologen der Universität Aix-Marseille erbringen. Sie ließen Krähen verschiedene Karten mit abstrakten Symbolen zuordnen – eine geistige Leistung, die vorher nur Menschen und Affen zugetraut wurde.

Und intelligent wie sie sind, ziehen im Herbst vor allem Raben und Saatkrähen aus Skandinavien und dem Baltikum nach Mitteldeutschland und verbringen hier die kalte Jahreszeit. Nur im Winter verbinden sie sich zu solch großen Schwärmen. Eine Schutz- und Fressstrategie unseres schwarzgefiederten Schreihals.
Nun unterliegen Massen ja noch ganz anderen Verhaltensmustern als einzelne Exemplare, von denen man ja schon anscheinend nie wissen kann, ob sie nun heil- oder todbringend unterwegs sind. Erinnert sei nur an das australische Märchen, in dem eine Krähe wegen ihrer Fresslust von einem Kranich bewusstlos geschlagen wurde, in das noch glühende Gras einer Kochstelle fiel und so ihr Federkleid vom damaligen Weiß zum heutigen Schwarz wechselte. Als Rache steckte die Krähe dem Kranich, als er schlief, eine Fischgräte unter das Zungenbein. Als er aufwachte konnte er von diesem Moment bis in alle Zeit nur noch mit heiserer Stimme „Ga-ra-ga, ga-ra-ga“ rufen.

Also, wenn die Wissenschaft erst jetzt nachweisen konnte, was seit Äsop die Überlieferung über die Intelligenz der Krähe von den Bäumen pfeift, oder krächzt in Form geballter schwarzer Flugmaschinen, die mit wachen Augen bereit für alles sind oder nichts … hach, was ist dann mit all den anderen Aspekten?

Nein, solange hier keine neuen Erkenntnisse vorliegen, gehe ich liebe nicht die kleine Treppe zwischen den mit Schnee bedeckten kahlen Bäumen und ihren lebendigen Federkronen nach oben, sondern schleiche schön im Schutz der Autos und Busse hinauf über die Kaßbergauffahrt. Sicher ist sicher.

Text: Szymmi Foto: Maik Irmscher

Von Ecken und Enden: An steilen Hängen
Im Spätherbst und Winter krächzen hier tausende Saatkrähen in den Baumwipfeln. Unter deren wachsamen Augen blickten wir uns an der Kaßbergauffahrt um und fanden Geschichten vom KGB, von rätselhaften Verbrechen, hässlichen Maskottchen, einer gehemnisvollen Treppe und einiges mehr.

Nina und das Verbrechen
Zwei Männer in Handschellen werden in den Gerichtssaal geführt, während sich die Anwältin vom Staatsanwalt noch fix eine Verteilerdose für ihren Laptop geben lässt. Das hier ist ganz anders als im Fernsehen.

Michael geht Untertage
In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit. Die besten Geschichten fangen ja mit Löchern im Boden an. So auch die Geschichte um den Chemnitzer Kaßberg.

Alan macht einen SPD-Witz
Die Chemnitzer Basketball-Herren haben ein neues Maskottchen: Karl Marx. Ist das jetzt dämlich, geschmackslos oder echt witzig?

Jan bleibt hart
Wer, außer Björn Höcke vielleicht, braucht denn heutzutage einen Volksfestplatz? Jan sieht auf dem einstigen Hartmann-Werksgelände schon die Autos der Zukunft produziert.

Lars outet eine Treppe
Eine Treppe im Wald. Fast provisorisch scheint sie in den Hang geschlagen. Doch sie erzählt auch eine Geschichte über die Liebe in Zeiten des Sozialismus.

Veronica und der KGB
Dass rund um die Kaßbergauffahrt einst die Stasi residierte, ist weitgehend bekannt. Dass aber auch der KGB hier bis 1990 an den Fäden zog, gerät langsam in Vergessenheit. Veronica hat gerade deshalb nachgeforscht.

Johannes tauscht
Tauschkreise sind keine neues Phänomen. In Chemnitz ist die neuzeitliche Variante seit über 20 Jahren vereinsmäßig organisiert - und doch droht sie gerade jetzt zu scheitern.

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