Teile und Herrsche
Das Exka zwischen Zersplitterung und Happy End
Ein kurzer Rückblick im Fall Experimentelles Karree: Zum großen Showdown zwischen kommunalen Entscheidungsträgern und den Vertretern der Reitbahnstraße kam es Anfang Juni zu einer Podiumsdiskussion im Schauspielhaus. Große Bühne, großes Theater und am Ende zauberte die GGG den Deus ex machina (billiger Dramaturgentrick) aufs Podium und präsentierte mit dem Objekt Leipziger Ecke Limbacher die vermeintliche Lösung aller Probleme.
Für einen symbolischen Euro gab es eine sechsstellige Förderung zur
Instandsetzung obendrauf. Euphorisch ist in der Reba 84 aber kaum
jemand. Was ist passiert? Markus Börner vom Exka e.V. gibt sich
zurückhaltend, man wolle offene Fragen zunächst mit der Stadt klären.
Das neue Objekt, sagt er nur, wurde besichtigt und habe gewisse Mängel,
die behoben werden müssten etwa an Leitungen, Dach und Keller. Die zur
Beseitigung vorhandenen Fördermittel können bis Ende November abgerufen
werden. Wer dafür aber welche Arbeiten entrichten darf und wird steht im
Raum. Die angebotenen Leistungen der GGG scheinen mit Blick auf die
aufgerufene Summe etwas zu knapp bemessen.
Die Bewohner der Reba
sitzen unterdessen nicht im Ohrensessel und drehen Däumchen. Einige von
ihnen haben sich inzwischen anderweitig arrangiert. Etwa der Verein zur
Wiederbelebung Kulturellen Brachlands. Ein Ausweichobjekt gab es von der
GGG an der Bernsdorfer Straße, erzählt WKB-Vorstand Nico Untermann.
Dort werde man ein Haus als gemeinschaftliches Wohnprojekt ein- und
herrichten. Wenn der Kulturstandort Leipziger Straße dereinst fertig
ist, will der WKB aber nicht mehr nachziehen. Weitere sieben Bewohner
der „Casa Phantom“ zogen bereits nach einem Jahr Gerangel um den
Standort Reba die Konsequenzen und begannen ein ähnliches Wohnprojekt in
Adelsberg.
Die Initiative Reba Si hält derweil die Stellung auf
der Reitbahnstraße. Nicht zuletzt durch ihren Widerstand kam es zum
Angebot an der Leipziger. Nun sei die Aufgabe erst einmal den Laden am
Laufen zu halten und Veranstaltungen wie die Volksküche zu organisieren,
erklärt Reba Si-Mitglied Georg Spindler. Falls allerdings auch das
Projekt Leipziger Straße fehlschlagen sollte, dann könne Reba Si ganz
schnell wieder in den Kampfmodus wechseln. Auf einen erneuten
Verhandlungsmarathon mit GGG und Stadt wolle man sich auch beim Exka
e.V. nicht einlassen, so Markus Börner. Das ist wohl nicht zuletzt dem
Risiko geschuldet, dass bei einem solchen Marathon dem Projekt bald die
Luft ausginge. Schon jetzt verteilen sich Interessengruppen in der
Stadt. Damit sinkt nicht nur deren Durchsetzungskraft gegenüber den
Stadtoberen, sondern wird wohl erneut die Chance verspielt, irgendwo in
Chemnitz Subkultur sichtbar und anziehend zu machen.
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erschienen im 371stadtmagazin 09/10,
Text und Foto: Michael Chlebusch




