Schönste Blume
In seiner Selbstwahrnehmung ist Chemnitz oft hässlich, unattraktiv und hat seine besten Tage hinter sich. Mit dieser vor Selbstmitleid triefenden Einschätzung wollen sich die Theatermacher vom Chemnitzer Schauspielhaus nicht abfinden und meinen, Chemnitz sein die schönste Blume des Ostens. Ein gleichnamiges Theaterfestival wird vom 27. - 30. Mai stattfinden. „Mit unserem Festival stellen wir uns der allgemein negativen Haltung entgegen und feiern eine fröhliche, optimistische und lebendige Stadt.“ tönt es aus dem Kulturtempel. Nur wie? Ganz einfach: Das Schauspiel Chemnitz verschenkt seine eigenen Produktionen an die Stadt.
An Orten, die sonst keine Orte der Kunst sind, wird es Aufführungen geben. Im Schauspielhaus selbst gibt es Gastinszenierungen aus Deutschland, Kroatien und Österreich zu sehen. TheatermacherInnen aus ganz Europa, Mitglieder des Netzwerkes the fence, treffen sich am Schauspiel zu einem internationalen Symposion. Und dann gibt es noch ein Speed-Dating der besonderen Art: Chemnitzer ExpertInnen aus allen Feldern der Gesellschaft, Physikprofessor wie Skateborder, Bürgermeisterin wie Musikerin, verschenken ihr Expertenwissen in kurzen allgemein verständlichen Vorträgen an jeweils einen Besucher. So säht man also schon mal neue, schöne Blumen, die demnächst blühen sollen.
erschienen im Heft 05/2010
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