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Heureka im Hörsaal

Dem Online- Diskurs auf der Spur

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An den Hochschulen in Chemnitz, Zwickau, Mittweida und Freiberg studieren und arbeiten über 30.000 Menschen. Das „371“ will wissen, was dort so alles erforscht wird. Notwendig oder unsinnig, interessant oder einfach schräg - hier erfahrt ihr, was Forscher so forschen.x

Immer nur einen Klick von der Welt entfernt, ist das Internet wohl eines der massenwirksamsten Medien des letzten Jahrzehnts. Wurde bis vor dem Jahr 2000 hauptsächlich im Netz nur gesucht, so hat sich der Fokus mittlerweile in Richtung Selbstproduzieren verschoben: Texte, Videos und Bilder werden hochgeladen und in zahlreichen Foren und Netzwerken zahlreiche Themen diskutiert.

„Die Nutzer handeln die Praxis aus“, meint dazu Christian Pentzold.[nbsp] Als Mitglied eines Forscherteams der Professur Medienkommunikation unter der Leitung von Prof. Dr. Claudia Fraas und Dr. Stefan Meier versucht er zusammen mit Vivien Sommer und Olga Galanova das Phänomen des Online-Diskurses wissenschaftlich beschreibbar zu machen. Gewissermaßen sind sie hier auf eine Forschungslücke gestoßen.[nbsp] Es gibt laut Pentzold sehr reichhaltige wissenschaftliche Aufarbeitungen darüber, auf welche Art herkömmliche Massenmedien über gesellschaftliche Ereignisse informieren. Doch wie funktioniert dies im Internet und welche Wirkungen hat es auf die öffentliche Meinung? „Die Vorstellungen vom Internet, sei es nun, dass es – salopp gesagt - demokratisch funktioniert oder im anderen Fall nur von Leuten vom Rande der Gesellschaft intensiv genutzt wird, sind nicht viel mehr als Annahmen ohne wissenschaftliche Grundlage.“, ergänzt Pentzold.

Der erste Schwerpunkt ihres in drei Phasen gegliederten Projektes, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, liegt demnach zunächst in der Erstellung eines geeigneten wissenschaftlichen Instrumentariums. Dieses soll es ermöglichen, die Diskussionsverläufe im Internet verfolgbar, archivierbar und auswertbar zu gestalten.

Doch wo setzt man bei der Auswahl möglicher Themen an? „Hier ist natürlich etwas wissenschaftliche Intuition gefragt“, erklärt Vivien Sommer. „Zuallererst konzentrieren wir uns auf Themen, die vermutlich eine breite Anzahl von Menschen interessieren. Dann verfolgen wir, wie sich die Auseinandersetzung gestaltet.“ Ihrem Ansatz zufolge ist das Netz von Knotenpunkten durchzogen, an denen sich ansetzen lässt, weil dort Themen höherer Relevanz verhandelt werden. Derzeit analysieren sie den Online-Diskurs bezüglich des Verfahrens gegen den ehemaligen KZ-Aufseher John Demjanjuk sowie die netzinterne Diskussion über den Amtsantritt Guido Westerwelles als Bundesaußenminister.

Mit einer internationalen Tagung zu Beginn des nächsten Jahres läuft Phase 2 ihres Projektes an. Welche neue Erkenntnis am Ende ihrer Suche steht, wird jedoch noch eine Weile in der Schwebe bleiben, denn derzeit stehen sie am Beginn ihrer Forschung und sind selbst gespannt, wo sie sie hintragen wird.

Text: René Szymanski Foto: André Koch

Erschienen im 371 Stadtmagazin 04/10

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