Name als Reklame

TU verkauft Hörsaalnamen

Hörsaal

Die Studenten staunten nicht schlecht, als sie am 9. Mai den Hörsaal N114 betraten, einen der größten an der Technischen Universität Chemnitz. Über beiden Eingangstüren hing ein großes Schild, auf dem der Name „Niles-Simmons-Hegenscheidt“ zu lesen war. Der Werkzeugmaschinenhersteller wurde über Nacht zum Namenspate eines Hörsaals – ein bisher einmaliger Vorgang an der TU.

Der Studentenrat äußerte umgehend die Vermutung, die Umbenennung stehe in Zusammenhang mit einer Großspende in Höhe von 175.000 Euro, die das Unternehmen kurz zuvor der Stiftung der TU zukommen lassen hatte. Gegenüber der Freien Presse bestritt die Universitätsleitung diesen Zusammenhang nicht. Es dauerte allerdings zehn Tage, bis sie von sich aus zu dem Thema in Form einer Pressemitteilung Stellung nahm. Darin erklärte TU-Rektor Klaus-Jürgen Matthes: „Wir würden uns freuen, wenn insbesondere weitere Unternehmen die Universität in vergleichbarem Maße unterstützen und somit eine entsprechende zusätzliche Hörsaal-Benennung legitimieren würden.“ Zwar habe es bisher noch keine Benennungen nach Unternehmen gegeben, diese seien zukünftig aber „denkbar und gewollt – und übrigens auch an anderen deutschen Hochschulen gängige Praxis“.

In der Tat ist die TU auf diesem Gebiet kein Vorreiter. Bereits vor fünf Jahren wurde an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt der größte Hörsaal in „Aldi-Süd-Hörsaal“ umbenannt. Die Summe, die der Discounter dafür zahlte, blieb geheim. An der Universität Erlangen-Nürnberg bekam einer der Räume sogar den Namen eines Firmenproduktes: „easy-credit-Hörsaal“. Und auch in Sachsen ist das Prinzip nicht neu. An der TU Dresden gibt es eine „Altana-Galerie“, benannt nach einem deutschen Chemiekonzern, teilte Pressesprecherin Kim-Astrid Magister mit: „Die Altana AG hat mit großzügiger Spende die Sanierung des Görges-Baus mit der Galerie unterstützt.“ Ob es weitere Umbenennungen geben werde und zu welchen Konditionen, sei im Moment offen: „Wir erarbeiten zur Zeit ein Fundraisingkonzept, das dann eventuell auch Möglichkeiten für Spenden/Sponsoring für Gebäude enthalten kann.“ An der Universität Leipzig habe es im Zusammenhang mit dem Universitätsjubiläum 2009 einige befristete Benennungen gegeben, erklärte Pressereferentin Susann Huster. Grundsatz sei gewesen, dass nicht nach Unternehmen sondern wissenschaftlich, kulturell oder zeitgeschichtlich bedeutsamen Personen benannt werde: „Es durfte dann aber darunter stehen, welche Firma diese Benennung unterstützt.“

Von Regularien dieser Art ist die TU Chemnitz weit entfernt. Auf die Frage nach Richtlinien was die Verwendung des gespendeten Geldes oder die Präsentationsmöglichkeiten der Firmen betrifft – Darf auch nach Produkten umbenannt werden? Dürfen Logos gezeigt werden? Bekommt automatisch jede Firma, die eine bestimmte Summe spendet, die Möglichkeit ihren Namen zu platzieren? – verweist TU-Sprecher Mario Steinebach auf die Pressemitteilung – die dazu aber keine Informationen enthält. Mehr könne er im Moment leider nicht sagen.

Bei den Studenten gibt es bisher keine klare Meinung. Er habe damit kein Problem, sagt ein junger Mann der gerade auf den Weg in den Hörsaal ist: „In Anbetracht der Finanznot der Unis ist das okay.“ Die Lehre werde davon ja nicht beeinflusst. Das interessiert sie eigentlich überhaupt nicht, entgegneten zwei andere Studenten. Bedenken äußerte dagegen ein Student der Wirtschaftswissenschaften: „Der Hörsaal hätte besser nach einer historisch bedeutsamen Person benannt werden sollen, ein Unternehmensname ist nicht angebracht.“ Es störe ihn auch, wenn nun Fußballstadien umbenannt werden. In Dresden gibt es seit kurzem das Glücksgas-Stadion.

Erschienen im 371 Stadtmagazin/Campus Heft 06/11
Text: Benjamin Lummer

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