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Seit vielen Jahren sorgen gerade die Studenten und Studentinnen des Schauspielstudios für erfrischend neues Theater in Chemnitz. 371 stellt den aktuellen Jahrgang in vier Teilen vor.
Arbeit ohne Alltag
„Alltag“ wie in „jede Woche das Gleiche“ haben Schauspieler und somit auch Schauspielstudenten nicht. Probezeiten von 10 bis 14 und 18 bis 22 Uhr sind nicht gerade ein bodenständiger nine-to-five-Job, hinzu kommen die Seminare des Studios und wöchentlich neue Dispositionen. Guido Schikore, der vor dem Schauspielstudium zwei Jahre bei der Bundeswehr diente (s. Lektion 1: „Kindheitstraum Schauspiel“), fand den Umstieg von Uni zu Theater jedoch bemerkenswerter als den vom Bund zur Uni. An der Uni hätte man einen sehr geregelten Ablauf, so der Student, „teilweise war das auch sehr militärisch“, ergänzt Katharina Schlothauer, die nicht beim Bund war, sondern mit Christoph Schlingensief in Afrika oder zum Fotografieren in Chile. Am Theater sei alles flexibler und selbstständiger als im bisherigen Studium, das müsse man auch lernen. Eingeschränkt wird die Flexibilität allerdings durch Anwesenheitpflicht: Wer die Stadt verlassen will und nicht als Ersatzspieler zur Verfügung steht, muss sich am Haus abmelden.
Kantine und Kollegen
Das Essen, manchmal lecker manchmal ihh! Ersteres wenn der Exil-Chef kocht. Letzteres wenn er aus Zeitmangel liefern lässt. Fachgesimpelt werde beim Essen in der Kantine allerdings eher selten, sagt Katharina, eher Dampf abgelassen. Wobei im Theater wie in jedem anderen größeren Betrieb gern und oft auch im nicht applaudierenden Sinne geklatscht werde. Konstruktiver und weniger energieaufwendig sei da offene Kritik oder deren Unterkategorie, die sogenannte „Gassenregie“, mit Kantinentipps von den älteren Kollegen.
Runterkommen vorm Auftreten
Vor dem Spiel ist Entspannung angebracht. An Auftrittstagen findet Katharina das beispielsweise beim Schwimmen, Guido beim Meditieren oder Klavierspiel. Je unsicherer ein Schauspieler sich dabei fühlt, desto eher erscheint er im Haus, um sich einzulesen und zu sammeln. Auch das Verhätscheltwerden in der Maske helfe.
Text, so viel Text
Quasi zwischendurch heißt es Textlernen, Textlernen, Textlernen. Schwer falle es Katharina, das ohne Handlung und Motive der Figuren zu tun. Diesen „Untertext“ brauche sie, deshalb sei für sie auch die Textcollage Wolken.Heim so schwer zu lernen gewesen. Wenn der Text jedoch erst einmal drin sei, so Guido, könne auch nachts um drei jemand anrufen und Zeilen abfragen. Das funktioniere auch nach Wochen noch.
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Text / Foto: Michael Chlebusch
Erschienen im 371 Stadtmagazin 02/11