GIB MIR EIN ZEICHEN

Wer sagt was mit welchem Logo

Biozeichen

Jahrelang durfte sich so ziemlich alles „Bio“ nennen, auch wenn dessen Produktdesigner höchstens mal am Bio-Unterricht teilgenommen hatte. Biogurths, Biofits und Bioreforms suchten mit falschen Versprechungen Eingang in die Einkaufstüten. Damit ist seit Anfang 2007 endlich Schluß. Seit diesem Jahr darf nur Bio draufstehen, wo auch Bio drin ist. Doch was bedeuten all die Siegel und Bezeichnungen in fantasievoller Bio-Prosa? Hier ein Überblick:

Seit September 2001 können Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft mit dem deutschen staatlichen Bio-Siegel gekennzeichnet werden. Das sechseckige Zeichen mit dem Schriftzug „Bio“ ist ein markenübergreifendes Label für biologisch erzeugte Lebensmittel. Demnach dürfen mit dem Siegel gekennzeichnete Lebensmittel nicht zur Konservierung radioaktiv bestrahlt werden, nicht durch gentechnisch veränderte Organismen erzeugt werden, nicht mit Einsatz von synthetischen Pflanzenschutzmitteln und nicht mit Hilfe von leicht löslichen mineralischen Düngern erzeugt werden, jedoch bis zu 5 % konventionell erzeugte Bestandteile enthalten.

Es wird gefordert, Fruchtfolgen (Zwei-, Drei- und Vierfelderwirtschaft) abwechslungsreich zu gestalten, Tiere artgerecht zu halten und mit ökologisch produzierten Futtermitteln ohne Zusatz von Antibiotika und Leistungsförderern zu füttern.
 
Nur wenn Erzeuger und Hersteller die Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung einhalten und sich den vorgeschriebenen Kontrollen unterziehen, dürfen sie ihre Produkte als Bio- oder Ökoware verkaufen und mit dem Bio-Siegel kennzeichnen. Derzeit sind rund 35000  Produkte von 1900 Unternehmen mit dem Bio-Siegel ausgezeichnet.

Auf einigen Bio-Lebensmitteln findet sich außer dem Bio-Siegel auch eines der Zeichen der acht ökologischen Anbauverbände in Deutschland. Diese Zeichen deuten auf noch strengere Richtlinien hin. Zum Beispiel muss in den Richtlinien der ökologischen Anbauverbände der ganze Betrieb auf ökologischen Landbau umgestellt werden, während nach der EG-Öko-Verordnung auch nur eine Teilumstellung möglich ist. Dazu kommen zum Beispiel Unterschiede bei den Futter- und Düngemitteln. So muss etwa bei Bioland im Sommer mehr als 50 Prozent Grünfutter zugefüttert werden, laut EG-Verordnung gibt es keinen Mindestanteil. So ist konventionelle Gülle und Jauche bei Bioland nicht erlaubt, laut Verordnung aber zulässig.

Darüber hinaus schmücken sich berechtigterweise einzelne Handelsketten mit eigenen Bio-Labels. Sie stehen neben dem Bio-Siegel zusätzlich auf der Verpackung. Markennamen wie Füllhorn (Rewe) oder BioBio (Plus) haben aber keine zusätzliche Aussagekraft über die Qualität des Produkts.

Irreführende Formulierungen sind aber trotzdem im Umlauf. Floskeln wie „aus kontrolliertem Anbau“, „aus alternativer Haltung“ oder „aus umweltschonender Landwirtschaft“ sind meist nichts wert. In letzter Zeit fällt auf, dass einzelne Verpackungen das Grüne-Punkt-Logo stärker in der Vordergrund rücken. Auch das hat natürlich nichts mit Bio oder Öko zu tun. Der grüne Punkt regelt lediglich die Rückführung der Verpackung in den Recycling-Kreislauf. Grundsätzlich ist das EG-Bio-Siegel die sicherste Einkaufshilfe in Sachen gesunder Ernährung.

Trotzdem will eins klar bedacht sein: Die Siegel kennzeichnen die Herstellungsart des Produkts, sie sagen jedoch nichts über deren tatsächliche Wertigkeit im ökologischen oder sozialen Sinne aus. Eine Bio-Wiener in der konventionellen Plasteverpackung spart eben keinen Müll. Der Transport von Bio-Spargel aus Peru versaut die Ökobilanz der weißen Stangen vollständig. Und ob die spanische Bio-Tomate nicht doch nur aufgrund hochtechnisierter Bewässerungsanlagen wächst, dafür aber andere Regionen versteppen, ist mit dem EG-Bio-Siegel nicht geklärt. Der Energieverbrauch und der schonende Umgang mit Ressourcen muss letztendlich aber genauso wichtig werden, wie der Anspruch an eine gesunde Ernährung. Am Ende muss bei allem Bio-Boom die Erkenntnis bleiben, dass lokal erzeugte Lebensmittel noch immer am besten schmecken. Im eigenen Kochtopf genauso wie dem inneren Ökogewissen. Also: Warten Sie nicht nur auf ein Zeichen! Kaufen Sie auch mit Verstand!

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