Klettern zwischen Blättern

Hochseilgärten und Kletterwälder sind Trend

Auch eine Möglichkeit. Mehr Bäume machen aber mehr Spaß.

Mindestens zwei Millionen Menschen in Europa tun es, allein 300.000 davon in Deutschland: Sie klettern. In Hallen oder in der Natur, am Felsen oder an Seilen und Netzen zwischen Bäumen. Klettern ist – trotz aller berechtigter Zweifel was die Bezeichnung Trend angeht – derzeit wohl so gefragt wie nie. Eine Branche hat in den letzten Jahren ganz besonders davon profitiert: die der Kletterwälder und Hochseilgärten.

421 Hochseilgärten und Kletterwälder zählt die Internetseite hochseilgarten-kletterwald.de im Moment in Deutschland. Die Hälfte davon sei in den letzten drei bis vier Jahren entstanden. Mit 22 Einrichtungen liegt Sachsen unter den ostdeutschen Bundesländern an der Spitze. Die Chemnitzer haben es dabei nicht schlecht getroffen: Im Umkreis von 50 Kilometer (Luftlinie) können sie zwischen neun Hochseilgärten oder Kletterwäldern wählen.

Einer davon ist der Hochseilgarten Chemnitz. Der klassische Hochseilgarten, erklärt der Leiter André Tjuljumbow, sei pädagogisch angelegt: „Der Parcour kann nur in der Gruppe begangen werden, weil viele Aufgaben gar nicht alleine zu bewältigen sind.“  Hochseilgärten hegen demnach den Anspruch, Team- und Kommunikationsfähigkeit zu vermitteln, sagt Tjuljumbow. Warum Hochseilgärten und Kletterwälder so beliebt sind, vermag er nicht so recht zu beantworten. Der Trend sei von Frankreich nach Deutschland geschwappt, vermutlich habe es mit der Suche der Menschen nach neuen Herausforderungen zu tun: „Die Menschen suchen nach sportlicher Betätigung und ‚Kicks’. Hochseilgärten und Kletterwälder sind dabei eine Möglichkeit, gut gesichert bis an seine Grenzen zu gehen.“

Klettern sei eben etwas anderes, als jeden Tag stur ins Fitnessstudie zu rennen, sagt Steffen Goretzka. Zusammen mit Olaf Glitzner betreibt er den Kletterwald in Rabenstein. Kletterwälder sind eher auf Freizeitspaß orientiert, der pädagogische Aspekt tritt hier in den Hintergrund. Nach einer kurzen Einweisung können die Besucher – bei eigener Sicherung – selbstständig nach Schwierigkeiten gestaffelte Parcours in Angriff nehmen. Neun Parcours mit einer Gesamtkletterstrecke von 1.337 Metern gibt es im Rabensteiner Kletterwald. Gerade eben habe man 14 neue Elemente aufgebaut, erklärt Goretzka.

Insgesamt sind es jetzt über 100, das Höchste in 15 Metern Höhe. Seit der Eröffnung 2007 habe man jedes Jahr umgebaut und erweitert, man müsse eben immer auf dem neuesten Stand sein. Mittlerweile gibt es Goretzka zufolge eine richtige Stammkundschaft, die den Kletterwald regelmäßig besuchen. Trotzdem – und das sei vielleicht auch ein Grund für den Trend – seien Kletterwälder aber etwas für jedermann: „Sie können es als 6-Jähriger machen, aber auch als 76-Jährige.“

Erschienen im 371 Stadtmagazin/Sommerfrische Heft 06/11
Text: Benjamin Lummer Foto: kallejipp / photocase.com

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