Aus dem Magazinarchiv

Der Beatmacher

Tikay One will Bässe zum Reden bringen

Tikay

Der Chemnitzer Produzent Tikay One, mit bürgerlichem Name Thomas Küchler, ist spätestens seit seiner Arbeit für das aktuelle Casper-Album deutschlandweit eine Nummer. Grund genug dem 24-jährigen mal auf die Finger und über die Schulter zu schauen.

Wie würdest du die Musik bezeichnen, die du selber machst?

Auch wenn ich keinen Subwoofer habe, ich würde sagen es ist Bass Musik.Womit ich momentan viel Zeit verbringe ist Dubstep und Elektro-House. Im Endeffekt sitze ich den ganzen Tag am Rechner und versuche mit Hilfe von Filtern, Bässe zum Reden zu bekommen – also coole Musik zu machen. Aber irgendwie beschränkt es sich dann immer auf langweiliges „Vorm-PC-hocken“. 

Vor ein paar Jahren konnte man dich auch noch als Rapper auf der Bühne sehen. Hast du damals schon deine eigenen Sachen produziert?

Als ich angefangen haben zu rappen war ich es einfach leid, mit meinem 56k-Modem irgendwelche Instrumentals aus dem Internet zu laden. Also hab ich meine eigenen Beats gebaut. Aber mit dem schreiben von Texten bin ich relativ schnell an meine eigenen Grenzen gestoßen. Casper schreibt so wie ich es gerne könnte.

Gutes Stichwort – Wie kommt man vom heimischen PC aus dazu, halb Rap-Deutschland zu produzieren?

Die Hälfte von Rap-Deutschland ist es jetzt vielleicht nicht, aber es sind schon ein paar Beats, die ich unterbringen konnte. Ich hatte da ein bisschen Glück. Ich war früher als Host für DJ Big Bang unterwegs und habe dann auch für DJ Ron und DJ Shusta gehostet. Als ich dann nach Chemnitz gezogen bin, hab ich Shusta meine Produktionen gezeigt und er mochte sie. Also hat er sie dann an verschiedene Künstler weitergeschickt, für die er damals auch Beats gemacht hat. Und ich glaube, die erste Produktion die dann veröffentlicht wurde war auch gleich „Stampf ihn ein“ von Casper.

Ein gutes Drittel der Produktionen von Caspers „XOXO“ geht ja auf deine Kappe. Hast du neben deinem Computer auch noch Bass, Gitarre und Schlagzeug stehen?

Das Album ist z.B. komplett über ICQ und Skype entstanden. Also was ich abgeliefert habe, waren größtenteils Skizzen. Bei manchen Tracks ist mehr passiert, also es wurden Sachen dazugespielt, etwas verändert usw. Aber manche Titel sind auch sehr nah dran an der Demoversion. Die Gitarren hat mein Kumpel Tim eingespielt und die Drums sind programmiert. Das Schlagzeug wurde dann natürlich nochmal neu aufgenommen und anders konzipiert, aber die Gitarrenspuren sind stellenweise drin geblieben.

Die Produktionen, die Musiker wie Casper oder Prinz Pi, von dir bekommen, unterscheiden sich ja sehr stark von der Musik, die du selbst veröffentlichst.

Ich hab früher ganz geradlinigie HipHop-Beats gemacht. Durch den Kontakt zu Casper und zu Tim kamen diese Rock und Gitarreneinflüsse erst dazu. In dieser Zeit sind auch die meisten Casper-Demos entstanden. Danach bin ich in diese Dubstep- und Electro-Szene gekommen und frickel da hauptsächlich rum. Wenn ein Künstler auf mich zukommt und einen bestimmten Beat haben will, durchforste ich natürlich zuerst meine Sachen und gucke was dem Nahe kommen könnte. Oder ich baue ihm halt etwas neues, was seinen Wünschen entspricht.

Wenn man dem Internet vertrauen darf, arbeitest du momentan auch an deiner ersten eigenen Veröffentlichung.

Das ist richtig. Es werden so vier-fünf Tracks sein – u.a. mit Rockstah, Alexander Seypt von Bombee und Cop Dickie. Auf meinem Soundcloud Account kann man auch schon ein bisschen was hören. Leider gibt es noch kein Veröffentlichungsdatum aber ich bin im Gespräch mit einem Label.

Erschienen 371 Stadtmagazin Heft 03/12
Interview: Florian Harlass Foto: Promo

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