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Multikulti-Riffs

Arsen im Flowerpower

Das Motto der Berliner Rockband Arsen kann nicht multikultureller sein: eine Deutsch-Türkin, ein Halbjapaner und drei Jungs, geboren in der DDR, sind bereit und mit aller Kraft entschlossen, die Welt zu erobern – und auch Chemnitz. In einem Interview mit Norman, einem der Gitarristen, konnte das 371 eine Menge über die Berliner Kapelle erfahren.

Warum der Name Arsen?
Wir sind ja aus einer Schülerband entstanden. Ich kenne den Bassisten seit der 4. und den Schlagzeuger seit der 7. Klasse. Dann sind wir zusammen gekommen. Irgendwann im Chemieunterricht ging es um Arsen. Wir fanden das witzig und da wir einen Bandnamen brauchten, passte das. Erst haben wir nur Krach gemacht, der dann aber ernster wurde. Der Name ist seitdem wichtiger Bestandteil unserer Band, er ist schmissig und passt immer noch zu uns.
Welche Bands, welche Musikstile haben euch beeinflusst?
Das ist bei uns ganz unterschiedlich. Ich bin absoluter Toten Hosen-Fan und mag alles, was so in die Punkrock-Richtung geht. Dennis, unser Schlagzeuger, steht mehr so auf Metal-Mucke, so was wie Children of Bodom. Unser Bassist ist musikalisch aus der Hardcore-Richtung und Selly steht mehr so auf Electro und türkische Musik.
Welche Themen wollt ihr mit eurer Musik ansprechen?
Das ist ebenso bunt gemischt. Teilweise haben wir Songs wie „Scheißegal“, von dem wir auch ein Musikvideo haben. Das sind Lieder, die den Hedonimus frönen und darauf scheißen, was morgen kommt. Das ist auch Teil unserer Lebenseinstellung. Dann gibt es aber auch Texte wie der von „Worte gegen Krieg“, welcher harter Tobak ist. Da setzen wir uns mit den Schicksalen von Kriegsopfern weltweit auseinander. Dazwischen beschäftigen wir uns mit Alltagsthemen oder weltpolitischen Inhalten – alles in allem ein breites Spektrum.
Ihr habt diese unterschiedlichen kulturellen Backgrounds in der Band – türkisch, japanisch, ostdeutsch. Hat das über die Texte hinaus Auswirkungen auf eure musikalische Herangehensweise? Wie läuft das Songwriting ab?
Das ist schwierig, aber bei uns ist das so: der Arnd, der lange Zeit in Japan aufgewachsen ist, hat eher eine pragmatische Herangehensweise und ist sehr durchstrukturiert. Bei Selly kommt natürlich ab und zu mal das südländische Temperament durch, gerade bei Streitthemen. Passiert ja schon mal, dass man sich zofft, aber das ist dann auch wieder ok. Ich denke aber, für die Musik ist das grundlegend bereichernd. Wir haben ja auch zwei türkische Songs auf dem Album. Wenn wir einen deutschen Text nicht passend finden und Englisch auch nicht so gut rüber kommt, machen wir das auf Türkisch. Das ist dann sehr spaßig und gerade bei Selly merkt man, da ja das Türkische ihre Muttersprache ist, dass sie dabei ganz anders aufgeht. Auf Deutsch ist sie natürlich schon sehr gut – sie kann aber die Inhalte auf Türkisch noch emotionaler rüberbringen.
Wie kommt die Idee, sowohl deutsch als auch türkisch zu singen, an? Habt ihr dadurch viele türkischsprachige Fans?
In der türkischen Rockszene ist das schwierig. Es gibt natürlich eine und die ist auch sehr aktiv, aber mehr auf rein türkische Bands fixiert. Wir haben türkische Fans, aber das ist nicht die Mehrheit der Masse. Bei den deutschen Fans kommt das Türkische sehr gut an. Da sind wir immer wieder überrascht, dass uns viele Leute nach dem Konzert ansprechen und fragen, was wir da eigentlich singen. „Bir Sans Daha“, das bedeutet „Noch eine Chance“, ist live immer ein Bringer und gehört fest ins Programm. Es ist eine Art verlorenes Liebeslied. Eng damit verbunden ist auch der Song „Sensiz“, was „Ohne Dich“ bedeutet.
Euer zweiter Gitarrist ist Halbjapaner? Auch schon mal daran gedacht, Stücke auf japanisch zu singen?
Das Problem dabei ist, dass der Arnd der einzige ist, der Japanisch spricht und der kann nicht singen. (lacht). Aber wir schließen das natürlich nicht aus, wenn es ein Song hergeben sollte. Aber momentan ist so was nicht geplant.
Was macht ihr neben der Musik, ihre werdet ja nicht den ganzen Tag am Instrument stehen?
Nein, leider nicht (lacht). Also ich bin Kfz-Mechaniker und hab mit meinem Vater eine Kfz-Werkstatt in Berlin. Gelee und Arnd studieren beide. Selly hat eben eine Ausbildung zur Automatenfachfrau abgeschlossen und Dennis fängt eine Ausbildung an. Wir sind alle nebenher sehr aktiv. So ist es eine große Herausforderung, das unter einen Hut zu kriegen - gerade das Zeitmanagement und eine Band mit fünf Leuten zu koordinieren.
Wie soll es musikalisch weitergehen? Was sind die Pläne für die Zukunft?
Wir machen erst einmal unsere Tour. Die endet am 19. Oktober in Berlin im Hof 23. Das wird auf jeden Fall das größte Konzert. Das ist der feste Plan. Nebenbei schreiben wir auch an neuen Songs für ein zweites Album. Im Prinzip soll es Anfang nächsten Jahres ins Studio gehen und danach wieder auf Tour.
Ward ihr schon mal in Chemnitz bei einem Auftritt? Was erhofft ihr euch von dem Auftritt im Flowerpower?
Ja, wir haben am 2. März im Subway to Peter gespielt. Das war ein super Abend. Wir waren überrascht, da wir noch nie in Chemnitz waren. Der Laden war voll und es ging gut ab. Es wurde gesungen, getanzt und geschwitzt. Daran habe ich nur gute Erinnerungen. Wir hoffen, dass das auch im Flowerpower so wird. Einige Zuschauer aus dem Subway haben uns versprochen, auch bei diesem Auftritt dabei zu sein. Ich denke, der Abend wird mindestens genauso toll.

Interview: Felicitas Wünsch

15.08. / 20:00 / Flowerpower

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