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HipHop-Halleluja

Audio88 und Yassin im Atomino

„Glatze mit Zahl“ und „Möchtegernkanacke“ - so bezeichnen sich Audio88 & Yassin. Im Rahmen ihrer „Halleluja“-Tour kommen sie ins Atomino. 371 sprach mit ihnen über Nervosität, Hass und wie man die Welt besser machen könnte.

Bekannt wurden sie mit ihrem Album „Normaler Samt“, das sie im März 2015 veröffentlichten und auf Platz 22 der deutschen Albumcharts landete. Audio 88 & Yassin verglichen das Album im Diffus Musik-Magazin mit einer Party, auf die man keine Lust hat, dann doch hingeht und entgegen aller Erwartungen den größten Abriss aller Zeiten erlebt.

Ihr aktuelles Album „Halleluja“, das im Juni vergangenen Jahres erschien, beeindruckte Fans und Szenekenner. "Halleluja ist was für Leute, die bei „Mitten im Leben“-Schauen vom Glauben abgefallen sind und nun nach einer neuen Religion suchen“, so Mephisto 97.6 (Lokalradio der Uni Leipzig).

Im Rahmen ihrer „Halleluja“-Tour kommen sie nun ins Atomino. 371-Redakteur Felix Krieglstein sprach vor Tourstart mit Audio88, Yassin und DJ Breaque über Nervosität, Hass und wie man die Welt besser machen könnte.

In einer Woche beginnt eure Zusatztour zum „Halleluja“-Album. Seid ihr auch nach mehreren Jahren Bühnenerfahrung noch nervös?
Yassin: Nein, wir sind gar nicht mehr aufgeregt, da wir ja schließlich nur singen müssen. Im Gegensatz dazu ist unser DJ noch mächtig aufgeregt.
DJ: Das ist richtig, ich bin durchaus vor unseren Auftritten noch aufgeregt, obwohl ich ja eigentlich nur hinter dem DJ-Pult stehe.

Euer Album „Halleluja“ erschien im Juni vergangenen Jahres nur 15 Monate nach „Normaler Samt“. Wird in es diesem Tempo weiter gehen oder ist diese schnelle Veröffentlichung das Ergebnis des Übergangs zum Berufsmusiker? Was habt ihr früher neben der Musik gemacht, um zu überleben?
Audio88: Wir möchten in diesem Tempo weiter produzieren, da wir nun seit etwa zwei bis drei Jahren allein von der Musik leben können. Da wir nicht mehr in unseren Berufen tätig sind, können wir uns nur auf die Musik konzentrieren. Was wir früher gemacht habe, möchten wir nicht verraten. Das ist uns zu privat.

Nach eurem im März 2015 veröffentlichten Album „Normaler Samt“ und einer erfolgreichen Tour ging es für euch steil bergauf. Soll euer neues Album „Halleluja“ die Freude über den Aufstieg heraus aus dem Umfeld der „Normalen“ widerspiegeln?
Audio88: „Halleluja“ soll den Übergang zum Geistlichen widerspiegeln, wie man ja auch auf dem Cover des Albums sehen kann. Passend dazu tragen wir unsere Gewänder bei den Konzerten.

Ihr seid bereits beim Kosmonaut Festival 2016 aufgetreten. Welche Erinnerungen verbindet ihr sonst mit Chemnitz?
Vor ein paar Jahren spielten wir hier ein Wohnzimmerkonzert und waren zeitlich sehr spät dran.
Unser bandeigener Fahrer musste es deswegen mit der Geschwindigkeit nicht mehr ganz so genau nehmen und trimmte den Tacho auf Anschlag. So sind wir am Ende mit voller Geschwindigkeit einen Berg hier herunter gefahren, was bei uns im Gedächtnis hängen blieb.

2015 wart ihr der Support-Act auf der sehr erfolgreichen „Hurra die Welt geht unter Tour“ von KIZ und seid Teil von deren Single „Was würde Manny Marc tun?“ Hat sich mittlerweile eine Freundschaft entwickelt, in der man gegenseitig voneinander lernt?
Alle: Wir kennen KIZ bereits seit etwa acht Jahren, wobei sich vor sieben Freundschaft entwickelt hat. Jedoch haben wir eine lange Zeit zusammen benötigt, um musikalisch auf einen Nenner zu kommen. Mit den letzten Songs ist der Knoten nun geplatzt und der Weg frei für neue Projekte.

Was für Musik hört ihr außerhalb des Studios?
DJ: Außerhalb unserer musikalischen Heimat des HipHops hören wir auch viele genrefremde Musikrichtungen wie etwa Folk. Prinzipiell setzen wir uns dabei keine Grenzen, Hauptsache die Musik ist gut und gefällt uns.

In euren Text rappt ihr über Döner essen in der U-Bahn, zu laut telefonierende Menschen im Bus und Camp David Hemden. Wie definiert ihr eine „normale“ Gesellschaft?
Audio88: Wenn alle Menschen so denken und handeln würden wie wir, wäre unsere Welt eine Bessere.

Euer Lied „Schellen“ kritisiert die sich häufenden Probleme wie Rassismus und Homophobie. Helfen wirklich nur noch Schläge an den Hinterkopf, um dem Rechtsruck in Europa entgegen zu wirken?
Yassin: Die Menschen sollen durch unsere Texte natürlich auch zum Nachdenken angeregt werden, ist ja klar. Wir definieren diese Schellen nicht nur körperlich, sondern auch verbal. Mit unseren Songtexten eben.

„Fraget eure Mitmenschen nie nach ihren Sternzeichen“ lautet eine Textzeile aus „Halleluja“. Welche Sternzeichen habt ihr?
Audio88: Wir kennen zwar unsere Geburtstage, aber nicht das zugehörige Sternzeichen.
Yassin: Also das Sternzeichen von Audio88 ist Hass.

 24.03. / 19 Uhr / Atomino

 

Foto: PR-Agentur check your head

 

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