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DJ-Handwerk

Beatconnect in der Spinnerei

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DJ Eskei83 bei Beatconnect

In Chemnitzer Clubs feiert man vorwiegend zu Hip Hop und Indie. Techno oder allgemein elektronisches Klanggut ist eher zu speziellen oder ausgewählten Anlässen das Hauptthema. Hier kommt Beatconnect ins Spiel. Elektronisch, clubaffin, schubladenfrei und vor allem mit viel DJ-Handwerk.

Vergangenen Sommer startete Beatconnect in der Spinnerei mit Künstlern aus der House und Techno Richtung. Die Idee dahinter entstand an einem kalten Februartag 2016. Falko Kraus und Ronny Seifert klapperten sich ihre Vorstellungen von einem Format mit Nachhaltigkeit gegenseitig zu. Dann ging alles ganz schnell. Mit Dirk Duske, Enny One, Frau Ludwig, Christian Knaack und Robin Höft formierte sich eine ausgewogene Truppe, die heute den Beatconnect-Kern bildet.

Was „technoid“ begann, setzte sich schon ab der zweiten Beatconnect mit einem breiten Clubmusikangebot fort. Wichtig dabei: Es findet auf einem Floor statt!

Das Domizil der kalten Tage ist in den Wintermonaten das Oberdeck, von Juni bis September geht es jetzt wieder in die „Spinnerei“.

371-Redakteur Felix Krieglstein sprach mit Ronny Seifert (Foto), Mitbegründer von Beatconnect, über Techno im Alter, das Schicksal junger Djs und saubere Toiletten.

Beatconnect gibt es nun seit Juli letzten Jahres und ist langsam auch über die Chemnitzer Stadtgrenzen hinaus bekannt. Was war der Beweggrund Beatconnect in Chemnitz zu etablieren?
Zu aller erst sollte man erwähnen, dass wir mittlerweile alte Männer sind und einfach den Anspruch an uns selbst hatten, etwas auf die Beine zu stellen. Wir wollten eine Plattform schaffen, in der Künstler und Publikum miteinander interagieren und die Liebe zur Musik im Vordergrund steht. Der Name Beatconnect soll dabei als Wortspiel verstanden werden, in dem wir im Kosmos von Clubmusik agieren und ein für Chemnitz passendes Format schaffen wollen. Die breite Masse bekommt heute das Bild des DJs vermittelt, der auf einem Podium stehend seine Musik spielt und sich dafür feiern lässt. Bei uns dagegen ist der DJ auf einer Höhe mit dem Publikum und kann ganz anders mit dem Publikum interagieren, was ein höheres Energiepotential bedeutet. Grundvoraussetzung dafür, dass diese Interaktion gelingt, ist natürlich das DJ-Handwerk.

Als DJ Soapespierre gehörst du, mit Verlaub, zu den alten Hasen im DJ-Geschäft. Du warst schon in den legendären Clubs „Lait Solaire“ und „achtermai“ Mitte bis Ende der 90er Jahre aktiv. Warum konnte sich deiner Meinung nach danach die elektronische Tanzmusik in Chemnitz nicht mehr etablieren?
Dies hat mehrere Gründe, zum einen ist Chemnitz ein schwieriges Pflaster für Künstler, da man übertrieben gesagt, Chemnitz verlassen muss, um erfolgreich zu sein. Zum anderen waren die lokalpolitischen Entscheidungen nicht von Vorteil für die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik, da ab der Mitte der 2000er Jahre keine Veranstaltungen mehr in Industriehallen stattfinden konnten. Die Schließung der Clubs „Lait Solaire“ und „achtermai“, welche die damalige Clublandschaft in Chemnitz entscheidend prägten, waren der sprichwörtliche Exodus und bedeuteten das damalige Ende des Elektros. Denjenigen, die seit dieser Zeit die Chemnitzer Szene am Leben erhalten und geprägt haben, kann man gar nicht genug danken und es freut uns im Allgemeinen, dass dieses Engagement endlich Früchte trägt!

Die Veranstaltung findet zu einer recht ungewöhnlichen Zeit am frühen Mittwochabend statt. Sprichst du da von einem Partyformat oder eher einem Zusammentreffen alter Bekannter?
Aufgrund der Uhrzeit gehen die Leute aus musikalischen Gründen zu Beatconnect und nicht, um sich wochenendtypisch dem Treiben hinzugeben.  Es ist ganz klar kein Partyformat, sondern bietet die Möglichkeit, sich unterhalb der Woche zu treffen, gemeinsam ein Bier zu trinken und die Musik zu genießen. Viele der Älteren, welche der elektronischen Musik schon lange treu sind, sind heute mit Familie und Arbeit sehr eingebunden. Wir wollen ihnen eine Plattform geben, auf der sie für drei Stunden den Alltag zu vergessen und sich der Musik hinzugeben können. Dies ist jedoch kein Altersprivileg. Der Austausch aller Altersklassen macht Beatconnect zu dem was es ist. Ohne Jugend keine Zukunft!

Das Warm-Up solch einer Veranstaltung übernimmt meist ein junger Künstler, der sein Handwerk an der Chemnitzer Musikschule lernt. Soll Beatconnect auch ein Sprungbrett für Nachwuchstalente sein?
Grundsätzlich ist man als junger DJ in den Clubs zumeist „hintendran“.Wir möchten diesen Neulingen die Chance geben, sich beweisen und zu testen. Sie müssen lernen, sich dem Publikum zu stellen und mit diesem warm zu werden. Dabei sollte es das Ziel sein, auch wenn man vor drei Leuten spielt, zwei davon zum Tanzen zu bringen. Außerdem sollen sie natürlich vom Austausch mit den gestandenen Acts profitieren, in dem Sinne ist Beatconnect auch ein Format für den Erfahrungsaustausch mit „Lessons learned Faktor“. Wichtig dabei ist, dass sich jeder Künstler für den Schoolyard-Slot vorstellen kann. Du musst nicht von der Musikschule kommen! Im Allgemeinen kann man sich gern bei uns vorstellen. Beatconnect ist ein Format für die DJ-Kultur – musikalisch sollte es jedoch passen.

Warum habt ihr euch mit dem Oberdeck für eine sehr schicke Location entschieden, welche im Gegensatz zu vermeintlich traditionelleren Veranstaltungsorten steht?
Dieser Gegenspruch ist uns durchaus bewusst, aber wir haben für unsere Indoor-Veranstaltungen eine Location gesucht, die noch nicht gebranded ist. Das Oberdeck passte perfekt, da wir dort die einzige Veranstaltungsreihe sind und das Ambiente sehr einladend ist. In anderen Clubs wären wir nur ein Format von vielen gewesen, was nicht das Alleinstellungsmerkmal von uns widerspiegeln würde. Und ganz wichtig, das Oberdeck hat einen Fahrstuhl, sehr schicke Toiletten und einen 360° Panoramablick mit Terrasse. Die Leute wissen das sehr zu schätzen und man merkt erst wenn man dort ist, dass die Etikette „Schick“ nicht so ganz passt. Es ist einfach schön da!

Wo soll die Reise für Beatconnect hingehen?
Wir möchten Beatconnect langsam wachsen lassen und nicht auf Druck eine „volle Bude“, in der keiner unser Konzept versteht. Wichtig ist die Kooperation mit unserem Partnerportal hearthis.at, auf dem sich alles Digitale von Beatconnect abspielt. Kommende Meilensteine sind eine Künstleragentur und ein Label. Zu den Veranstaltungen soll sich der musikinteressierte Besucher willkommen fühlen. Das fängt beim Türsteher an und hört bei der Technik auf. Mittlerweile bekommen wir Anrufe von Müttern deren Söhne und Töchter „DJ“ werden wollen, was natürlich nicht nur uns freut, sondern zeigt, dass DJ-Lehrer Dirk Duske von der Musikschule ein bisher fast einzigartiges Angebot für diesen Bereich abdeckt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Im September kommt u.a. David Jach aus Dresden, um seine unkonventionellen House- und Techno-Interpretationen zu präsentieren. Diese sind geprägt von der Roughnes früher Tage, als die Trennlinie zwischen den Genres noch nicht vorhanden war. Außerdem Masta Dex, Gourmet Akustik, DJ SPRG BRK und David Schellenberger.

13.09. / 19:00 / Spinnerei

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