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Im Angebot Liebe

Bordell L’Amour im Komplex

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Uns Menschen fehlt immer irgendwas: Geld, klar. Sex meistens auch. Zuneigung und die wahre, echte Liebe, die fehlen jedoch am allermeisten. Wäre es nicht toll und so viel einfacher, wenn man sich die anonym und problemlos um die Ecke kaufen könnte, genauso wie die schnelle, körperliche Befriedigung? Diese Fragen jedenfalls stellten sich Heda Bayer und Jakub Čermák, als sie das Theaterstück „Bordell L’Amour“ konzipierten.

Als Teil des Projektes „You want love, so give me money“ sollten in dem Theaterstück von Vornherein die Themen Sexarbeit und käufliche Liebe im Mittelpunkt stehen. Schauspielerin Heda Bayer, eine der Mitbegründerinnen der Off-Bühne Komplex, begab sich daher auf die Suche nach einem Regisseur, der mit dem Thema der käuflichen Liebe „interessant und gleichzeitig auch provokativ“ umgehen könne, erzählt sie. Mit dieser Prämisse im Hinterkopf stieß sie letztlich in Prag auf den Künstler Jakub Čermák. Auch der tschechische Film- und Theaterregisseur fand das Thema sofort spannend. Bei der Entwicklung des Stückes sei ihm jedoch schnell klar geworden, dass der Begriff der käuflichen Liebe unbedingt anders angefasst werden müsse: „Wir zeigen in unserer Performance ein Bordell in dem man Liebe kaufen kann, keinen Sex“, erklärt Čermák: „Liebe ist es, was in unserer Gesellschaft so oft fehlt. Uns gefiel die Idee, einmal dafür ein Bordell zu bauen.“ Das Thema öffne so ganz neue Dimensionen, erklärt der Regisseur: „Wir haben diese ‚käufliche Liebe‘ tiefer untersuchen können und uns dabei auch Fragen gestellt wie: Wie wäre der Preis für die wahre Liebe?“

Das Ergebnis dieser Überlegungen ist ein partizipatives Theaterstück, in dem acht deutsche und tschechische Performer insgesamt 21 Arten der Liebe aufzeigen. Dazu zählt nicht nur die klassische romantische Liebe, sondern beispielsweise auch die mütterliche Liebe oder aber die Liebe zum Essen - der Kreis dieses Gefühls sollte im Stück zu weit wie möglich gefasst werden. Zusammengetragen wurden all diese Gefühle gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern während der Stückentwicklung. Der Zuschauer könne sich im Stück dann die Art der Liebe heraussuchen, die ihm selbst am meisten fehlt, oder vor der er am meisten Angst hat. Gespielt wird das Stück dabei nicht nur klassisch auf der Bühne, sondern im Komplex verteilt in verschiedenen Räumen. So soll für die Besucher während der Aufführung das Gefühl eines „klassischen Bordells“ erzeugt werden, während die „Vermittlerinnen und Vermittler der Liebe“ ihre Angebote feil bieten.

„Bordell L’Amour“ läuft vom 20. bis zum 22. April im Off-Theater Komplex jeweils 18 und 20 Uhr.

Text: Lisa Kühnert

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