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Eigenleben der Bilder

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In der Galerie e.artis contemporary werden zum zweiten Mal Kunstwerke von Yvon Chabrowski gezeigt, diesmal in einer Einzelausstellung, die mit leeren Wänden auskommt. In ihren Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin mit medialen Bildformeln, die sie aus ihrem Kontext herauslöst und dadurch sowohl verfremdet als auch überhaupt erst greifbar macht. So vermitteln ihre skulpturalen Video-Installationen Bewusstsein für die Grammatik und das Eigenleben allgegenwärtiger Medienbilder.
 
Die jüngst gekürte Preisträgerin des 7. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerbs wurde in Ost-Berlin geboren, studierte Fotografie an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst bei Timm Rautert und Florian Ebner sowie freie Kunst an der École nationale supérieur des beaux-arts in Lyon. Sie absolvierte die Meisterklasse bei Peter Piller.
 
In der Galerie e.artis contemporary werden vier aktuelle Video-Skulpturen zu sehen sein: Die großformatigen Installationen HORIZONTAL (2019), SWAYING (2019), LEVEL (2018) und SCREEN (2017) zeigen je Performerinnen, die in Lebensgröße den Bild-Innenraum eines Flachbildmonitors ausfüllen. Die Körper bewegen, behaupten und bewähren sich in den Grenzen und Möglichkeiten der medialen Black-Box des Bildraums. Die Glasscheibe als durchsichtige Grund- und Grenzfläche wird zugleich zur Schnittstelle in die Realität des Beobachters. Im zeitlichen Verlauf der Loops scheinen die Bewegungen der Frauen diese Grenze in den Raum zu durchbrechen. Die Lage des Schirms im Raum fordert auf der anderen Seite der Scheibe, vom Körper des Zuschauers eine korrespondierende Haltung. Er erlebt die physische Präsenz der vom Medium bedingten Performance unmittelbar: physisch und kognitiv – der Prozess des sehenden Verstehens zeigt aber auch, dass, bei aller Nähe, die eingeschriebenen Grenzen des Mediums auch die Rezeptionsbedingungen strukturieren und lenken.
 
„Die Frage bei allen meinen Arbeiten lautet: Wie viel Kontext braucht ein Bild? Wie weit kann man es aus seinem Zusammenhang nehmen und doch noch seinem Ursprung zuordnen? Und wie kann es auf eine ganze neue, andere Weise als Fremdes im Vertrauten erfahrbar werden.“ Yvon Chabrowski
 
Die Werke der in Berlin und Leipzig lebenden Künstlerin wurden bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt und mit Stipendien und Preisen geehrt. 2019 erhielt Yvon Chabrowski, neben der Auszeichnung des in Chemnitz vergebenen Marianne Brandt Wettbewerbs (1. Preis Kategorie Versuchsanordnungen), ein Stipendium der Hansestadt Rostock, die VISIT Residenz der Innogy Stiftung in Essen sowie für 2020 das von der Akademie der Künste Berlin und der Villa Massimo Rom vergebene Villa-Serpentara-Stipendium für einen Aufenthalt in Olevano bei Rom. Die besondere Würdigung ihrer Arbeiten zeigt, dass sie mit ihren Video-Skulpturen gegenwärtig zu den interessantesten Künstlern im Bereich der Medienkunst zählt. (Text: e.artis)

Die Ausstellung läuft vom 24. Januar bis 27. März 2020.

Foto: LEVEL insta ©YvonChabrowski

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