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Vorwärts immer

Der Zukunft zugewandt im Clubkino Siegmar

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Antonia Berger in einem im Stil der DDR eingerichteten Raum

Eine überzeugte Kommunistin kommt aus einem Gefangenenlager in der Sowjetunion zurück in die DDR und muss schweigen. Die Zukunft in Ostdeutschland wird ihr möglichst angenehm gestaltet, und sie nimmt sie an. Doch wie lange kann man ohne seine eigene Vergangenheit leben?

Gemeinsam mit ihrer todkranken Tochter und ihrer Freundin Susanne kommt Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) zurück in ihr Heimatland. Sie hat schreckliches erlebt, Menschen sterben sehen und fühlt sich von den sowjetischen Genossen verraten. Doch die neue Identität und bestmögliche medizinische Versorgung für ihr Kind haben einen Preis. Niemals darf sie über die letzten zehn Jahre sprechen. Während Susanne (Barbara Schnitzler) sich den Repressalien nicht beugen will, akzeptiert Antonia die Bedingungen und bemüht sich mit allen Kräften, den sozialistischen Staat mit aufzubauen. Ihre Freunde und Kollegen teilen die Hoffnung in eine neue Ordnung. Im Westen sitzen noch und wieder die Nazis, die Feinde der DDR. Die Sowjetunion ist Geldgeber. Die DDR ist jung und muss noch lernen, mit Schwierigkeiten umzugehen. Da ist es verständlich, dass Schauergeschichten über den Bruderstaat nur Unruhe verbreiten würden.
Der Regisseur Bernd Böhlich beschreibt eindrücklich und ohne jegliche Arroganz das ehrliche Vertrauen und die Sehnsucht nach einem friedlichen, gerechten Staat, die die Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg einte. Alexandra Maria Lara verkörpert ausgezeichnet den Zwiespalt zwischen der bedingungslosen Akzeptanz der Partei und der Stille und Einsamkeit, die sie umgibt, solange sie ihr Trauma nicht teilen kann.
Ein bisher selten aufgegriffenes Thema wird zum bedrückenden Drama, das frei nach einer wahren Begebenheit erzählt wird.

"Und der Zukunft zugewandt ist nicht nur spannendes und differenziert erzähltes Geschichtskino, sondern auch ein bewegendes Drama, das durch seine brillanten Darsteller und seine kluge Inszenierung, zu der auch der sorgsam eingesetzte Score gehört, überzeugt", urteilt die Deutsche Film und Medienbewertung.


06.-10.09./ Clubkino Siegmar

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