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Wer im Glashaus sitzt

Ein Zimmer für sich allein in der Innenstadt

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Ab Mittwoch wird auf dem Theaterplatz in einem Glashaus gesessen, geredet und diskutiert. Ohne mit Steinen zu werfen. Sondern um zu wachsen, zuzuhören und zu erzählen. So wie es Virginia Woolf schon vor vielen Jahren verlangte: Ein Zimmer für sich allein, für alle Menschen.

Im Rahmen einer Kulturstiftung des Bundes tun sich die Theater Chemnitz, das EINS KOLLEKTIV (eine Chemnitzer KünstlerInnengruppe, siehe Bild) und das Kosmos Theater Wien zusammen. Die gemeinsamen Projekte, die in den nächsten zwei Jahren entstehen und in Chemnitz, Wien, sowie anderen Gastspielplätzen gezeigt werden, stehen im Stern eines Essays von Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein. Am Mittwoch startet das erste Projekt in Chemnitz: Ein performatives Experiment, das am vom Schauspielhaus ins Stadtzentrum ziehen wird. Das Glashaus sei eine sehr kleine Insel in der Innenstadt, ein echtes Treibhaus, um sich zu entfalten und Ideen zu entwickeln, erklärt Friederike Spindler vom Chemnitzer Theater. Wie das gehen soll?
Vier Tage lang steht für jeden Nachmittag bis Abends ein Programm bestehend aus einem Warmup, Lesungen, eingeladenen (noch geheimen) Gästen, Diskussionen, Podcatsaufzeichnungen und letztendlich einem Ausklang mit Musik. Jeder Tag drehe sich um ein spezielles Thema, doch die einzelnen Veranstaltungen könne man auch unabhängig voneinander besuchen. In erster Linie sei es kein interaktives Programm, jedoch werde man sich Themen gemeinsam mit dem Publikum widmen, Fragen und Positionen im Austausch festhalten, verrät Spindler.
Das Ensemble fragt sich: Welche Struktur braucht es, um selbstbestimmt leben zu können, damit die Welt ein Freiraum ist, in dem sich alle entfalten können? Unter welchen Voraussetzungen öffnen sich Herzen füreinander? Das Programm richtet sich darauf aus, ungehörte Geschichten zu erzählen und die Gesellschaft offen für alle zu machen, die teilhaben wollen.
“Im Moment geht es fürs Publikum erstmal nur um Erlebnisse. Wie wir dann die Ergebnisse verarbeiten, mit den erzählten Erfahrungen umgehen, steht noch nicht fest. WIr könnten das Glashaus beispielweise auf die Bühne holen oder anderweitig im Theater beschreiben, aber diese gemeinsame Produktion wird erst in einiger Zeit, um 2021 realisiert werden”, so Spindler. Davor reisen die Gruppen gemeinsam nach Wien, um das Projekt dort umzusetzen und gemeinsam an neuen Konzeptionen zu arbeiten.
Warum geschieht das alles in einem Glashaus, das ja streng genommen gar nicht den privaten, intimen Raum darstellt, den Woolf in ihrem Essay “Ein Zimmer für sich allein” verlangte? “Es ist auch eine Art Spiel: Wie lange lässt es sich in diesem Zimmer aushalten? Es ist ein sehr fragiler, kleiner Raum, man ist nie allein und nicht von der Außenwelt getrennt. Ist man drinnen, dringen die Themen trotzdem nach draußen. Man kann außerdem auch beobachten, was außerhalb passiert, während man von draußen angeschaut wird.”
Dieses ständige Wechselspiel wird vom 11.-15. September immer von 16-22 Uhr in der Innenstadt zu erleben sein. Wer gute Plätze ergattern möchte, begebe sich möglichst pünktlich ins kleine aber feine Gewächshaus, da der Platz begrenzt ist.

 

11.-15.09./ Theaterplatz

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