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Tanz setzt Zeichen

Internationales Tanzfestival

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Tänzer, beschmiert mit blauer Farbe, liegt auf der Bühne

Ballettdirektorin Sabrina Sadowska lädt zum 5. Mal internationale Akteure des zeitgenössischen Tanzes nach Chemnitz und greift mit ihnen gemeinsam in gesellschaftliche Wunden und Bruchstellen.
 
Ist Tanz politisch? Diese Frage stellt das Internationale Festival für zeitgenössischen Tanz mit dem Titel „Tanz Moderne Tanz“, das vom 19. bis zum 23. Juni in Chemnitz gefeiert wird – in seiner fünften Auflage. Sabrina Sadowska, Ballettdirektorin der Theater Chemnitz und künstlerische Leiterin des Festivals, kennt darauf aber schon heute eine Antwort. „Der Tanz als wortlose Kunst ist für viele die einzige Form, Kritik zu üben, vor allem wenn sie der Zensur unterliegen“, erklärt sie.

Am 19. Juni, dem Eröffnungstag des Festivals, findet auf der Kleinen Bühne des Chemnitzer Schauspielhauses ein Podiumsgespräch mit mehreren nationalen und internationalen Künstlern zum Thema statt. Darin sieht Sadowska einen weiteren Vorteil: die anwesenden Choreografen können so auf ihren jeweiligen Stücke und Intentionen eingehen. „Man bekommt so einen Bezug zu den Stücken, dann ist man nicht nur Konsument der Kunst, sondern teilt ein gemeinsames Wissen“, sagt die Festivalleiterin. Das Eröffnungsstück, am 19. Juni um 20 Uhr auf der Großen Bühne des Schauspielhauses trägt den Titel „#Minaret“, dreht sich um das berühmte Minarett der Umayyaden-Moschee in Aleppo und erzählt eine Geschichte über die Vernichtung einer Stadt. Choreograf Omar Rajeh aus dem Libanon vereint im Stück zeitgenössischen Tanz, Videokunst, eine Drohne und Live-Musik, es tanzt das Maquamat Dance Theatre.

Weitere Höhepunkte sind das deutsch-afrikanische Austauschprojekt „Signifying Ghosts“ und „The Call of Neverland“, eine Produktion von Emilijus Miliauskas und dem Ballett Chemnitz. Wie Sabrina Sadowska erzählt, gibt es in diesem Jahr erneut Mitmachangebote, wie Workshops zum Thema Zeitgenössischer Tanz und Breakdance. Und auch im öffentlichen Raum tritt das Festival auf, beispielsweise wird die Performance „Parcours choréographique – Un R de Ruse“ von der Compagnie ACT2 Catherine Dreyfus aus Frankreich im Rahmen der Fête de la Musique am 21. Juni auf dem Platz vor dem Brazil gezeigt.

Laut Sabrina Sadowska habe sich das Festival zur Aufgabe gemacht, Menschen an das Metier Zeitgenössischer Tanz heranzuführen. Da gäbe es noch immer einige Berührungsängste, weiß die Ballettdirektorin – viele Menschen könnten mit der Kunstform an sich wenig anfangen. „Es geht um Neuschaffungen von Menschen von heute, die auf das reagieren, was um sie herum passiert“, erklärt Sadowska. Und das Festival mit seinen aktuellen Stücken, viele von ihnen sind erst in den vergangen Monaten entstanden, wolle genau das zeigen und auf die Bühne bringen.

Text: Sarah Hofmann Foto: Stepan Floss

Szene aus „#minaret“ des Maqamat Dance Theatre

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