Tipps

Kaspers Rache

Kaspertheater im Schauspielhaus

Veröffentlicht am:

Sarah Wissner

Die Figur des Kaspers ist für Sarah Wissner ein rotes Tuch, eine Reizgestalt, aber auch ein großes Faszinosum. Die Künstlerin arbeitet sich schon seit Jahren am Hanswurst ab, nun feiert ihr Stück „The Dark Trullala“, in dem sie den Puppenmythos ganz gründlich den Kampf ansagt, in Chemnitz Premiere.

Erfolgreich ist es jedoch schon länger. „Die Arbeit an dem Stück begann in meinem dritten Studienjahr und ich machte damit meinen Bachelor im vierten Studienjahr“, erzählt Wissner, die an der Stuttgarter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst studierte und seit dieser Spielzeit im Chemnitzer Figurentheater arbeitet. „The Dark Trullala“ war ihre Abschlussarbeit. Schon früh im Studium geriet Sarah Wissner mit dem Kasper aneinander. Die Bezeichnung „Puppenspielerin“ verursacht in ihr Widerspruch. „Ich komme aus dem Objekt- und Materialtheater. Das Puppenspiel ist nur ein kleiner Teil davon“, erklärt sie – dennoch werde man als Künstler häufig darauf reduziert. Genauso, wie auch die Figur des Kaspers immer wieder reduziert und umgedeutet werde. „Der Kasper war ursprünglich eher für Erwachsene gedacht, er war brutal und dreist. Heute wird er als Kinderfigur missbraucht, es gibt sogar einen Zahnputz- und einen Töpfchenkasper“, sagt sie. Ihr Stück ist klar für ein erwachsenes Publikum konzipiert, freigegeben ist es ab 14 Jahren. Warum? „Ich habe einen ziemlich bösen Humor und großen Spaß daran, wenn eine Puppe die andere mit dem Pizzacutter zerhackt“, sagt Wissner.

Am 27. April feierte „The Dark Trullala“ seine Premiere in Chemnitz. Dort schlägt dann der Kasper zurück, sinnt auf Rache. Es beginnt ein epischer und grausamer Kampf darüber, wer die Oberhand behält – Spieler oder Puppe? Häufig wird das Stück am städtischen Theater nicht zu sehen sein, denn Sarah Wissner treibt es hinaus in die Welt. Schon an der kommenden Spielzeit arbeitet sie am Theater Neuss und wird dort auch eine neue Stückentwicklung über Frauen und Objekte in Angriff nehmen. Bis dahin lebt sie zusammen mit ihrem Künstlerkollektiv den Traum aller reiselustigen Künstler. Sie packen alles, was es für die Inszenierung von „The Dark Trullala“ braucht, in einen Transporter und touren gemeinsam von Festival zu Festival, um das Stück unter die Menschen zu bringen. Nächster Halt: das Internationale Figurentheaterfestival in Erlangen, Ende Mai. „The Dark Trullala“ benennt Sarah Wissner als ihr Herzprojekt: „Ich liebe dieses Stück und wahrscheinlich werde ich mich mit 70 Jahren irgendwann damit von der Bühne verabschieden“.

21.06./ 18:00/ Schauspielhaus

Text: Sarah Hoffmann Foto: Nasser Hashemi

Zurück