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Oper im Clubformat

Mefistofele Utopie im Tesla

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Im Nikola Tesla wird die Gretchenfrage neu gestellt und über die Macht der Versuchung philosophiert – Mit Klavier und großer Arie. Musiktheater im kleinen Raum, dass jeden Abend anders sein wird. Ein utopisches Experiment?
 
Wofür die Chemnitzer Oper mehrere Chöre, ein Orchester, das Ballett und ein riesiges Bühnenkonstrukt braucht, so nimmt Adrian Linz mit einer einzigen Sängerin, einem Klavier und einem Club vorlieb. Der Stoff, die Geschichte von Faust und seinem Gegenpart Mephisto, bleibt gleich – wenn sich auch der Blickwinkel ändert. Die Aufgabe des Regisseurs: eine Brücke zwischen Club und Opernhaus schlagen, die große Oper in den kleinen Raum tragen. „Die Opernwelt muss sich verändern, sonst können wir zu machen, wenn das Abopublikum irgendwann wegstirbt“, sagt er. Aus diesem Grund wurde Nachwuchsregisseur nach Chemnitz geholt. Am Opernhaus wirkt er an mehreren Produktionen mit, seine Hauptaufgabe ist es aber, eine ganz neue Inszenierung zu schaffen. Der Plot: das nicht mehr ganz blutjunge Gretchen wartet in einem Club auf Faust, der sie wohl versetzt hat. Sie zweifelt, wird Verführungen ausgesetzt und singt dabei bekannte Opernarien. Die Inszenierung ist angelehnt an die Oper „Mephistophele“, die aktuell im Opernhaus zu sehen ist und trägt den Titel „Mephistophele Utopie“ . Im Gegensatz zur Ursprungsoper will sich Linz dabei kurz fassen, er beschränkt seine musikalische Entdeckungsreise auf eine Stunde Spielzeit. Sie wird am 6. und 8. November im Nikola Tesla im Rahmen des Festivals „Aufstand der Utopien“ gezeigt. Um das Projekt realisieren zu können, mussten einige Kooperationen geschaffen werden, die es so in dieser Stadt noch nicht gab. Denn an der Umsetzung sind nicht nur die städtischen Theater beteiligt, sondern auch das Festivalformat Wolkenkuckucksheim, das Haus Arthur, der Spinnerei e.V, das rahmengebende Festival „Aufstand der Utopien“ und das Nikola Tesla steuert den Raum bei. Die Vernetzung der Kulturinstitutionen und, wie die Organisatoren hoffen, auch der verschiedenen Zielgruppen, ist den Machern ein Anliegen. „Das passt doch gut ins Festival „Aufstand der Utopien“ - alte Pfade zu verlassen und die Blickwinkel zu verändern“, sagt Nadine Rothe, die das Projekt mitinitiiert. Wie sie erklärt, spielt im Anschluss an das Stück an beiden Abenden jeweils eine Band. Eine, die einen eher dystopischen Rahmen schafft, die andere bringt eher hoffnungsvoll poppige Elemente ein, danach wird zu DJ-Sets getanzt.

Am 8. November spielen Walls & Birds (Foto). Sie sind zu viert und machen mit ein paar Casio-Keyboards und Synthies verspulte elektronische Singer/Songwriter-Sachen.

8.11. / Nikola Tesla

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