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Noch ein Leben

Monsieur Alain im Clubkino Siegmar

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Alain und seine Logopädin Jeanne auf einer Parkbank, redend, Jund liegt davor

Monsieur Alain ist ein Unsympath wie aus dem Bilderbuch: Immer gestresst, effizienzorieniert, kurz angebunden und mit seiner Arbeit verheiratet. Als er einen Schlaganfall erleidet, muss er sein altes Leben wider Willen überdenken.

Noch ein französischer Film mit einem Monsieur im Namen? Ja, tatsächlich, aber „Das zweite Leben des Monsieur Alain” ist keine inhaltlose Komödie mit Klischees, wohin man schaut, sondern schafft tatsächlich einen ehrlichen Blick auf Work-Life-Balance und Selbstständigkeit.
Alain Wapler ignoriert schon sein ganzes Leben lang die Signale seines Körpers, zum vermeintlichen Wohl seines Jobs, seines Geldes und seines Egos. Seine Tochter bekommt ihn kaum zu sehen und seine Angestellten nur Ermahnungen im Befehlston. Als er nach einem Schlaganfall Gedächtnislücken und Artikulationsschwierigkeiten hat, nimmt er die Hilfe seiner Logopädin Jeanne nur widerwillig an und muss genauso langsam lernen, dass sein Leben auch andere Prioritäten neben Einfluss und Anzügen haben kann, und vielmehr muss.
Es ist eine Tragikomödie, die im einen Moment vor sich hin plätschert und im nächsten überraschend eindrücklich deutlich macht, wie schwerwiegend hilflos manche Krankheit Menschen zurücklassen kann.
Marius Norbach vom Filmdienst schreibt: „Lachen soll der Zuschauer vor allem über die sture Weigerung Waplers, seinen geschwächten Zustand zu akzeptieren, und die nachdrückliche Art, in der vor allem Jeanne ihm seine Grenzen aufzeigt. Dank des Zusammenspiels von Fabrice Luchini, der die Verzweiflung hinter Waplers penetrantem Auftritt und seinen immer wieder misslingenden Sprachversuchen greifbar macht, und Leïla Bekhti als warmherziger Logopädin geht diese Rechnung auch durchaus auf.”

13.-18.09./ Clubkino Siegmar

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