Tipps

Das Bessere einklagen

NSU-Komplex auflösen

Veröffentlicht am:

NSU-Komplex auflösen

Wie gedenkt man den Opfern des „Nationalsozialistischen Untergrunds”? Wer waren seine Mitverantwortlichen? Welche Kontinuitäten von Rassismus und Nationalismus ermöglichten seine Verbrechen? Das in Chemnitz und Zwickau statt findende Tribunal „NSU-Komplex auflösen” will diese Fragen ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Gründung des NSU in Chemnitz geschah. 1998 waren dessen Mitglieder hier untergetaucht. Auch nach ihrem Umzug nach Zwickau blieb Chemnitz ihnen ein sicherer Hafen. Der Rest der rechten Horrorgeschichte ist bekannt: Nach zehn Morden, 43 Mordversuchen und drei Sprengstoffanschlägen begehen Böhnhardt und Mundlos im November 2011 Suizid, Zschäpe stellt sich wenige Tage später der Polizei. Im Anschluss beginnt einer der umfangreichsten Gerichtsprozesse in der Geschichte der Bundesrepublik. Mit der Urteilsverkündung im Juli 2018 und der Inhaftierung Zschäpes in der JVA Chemnitz scheint sich der Kreis zu schließen. Doch der Abschluss trügt: Für die Angehörigen der Opfer bleibt der Verlust und die Angst bestehen. Die Verstrickung deutscher Behörden mit dem NSU sind nicht vollständig aufgeklärt. Und nicht zuletzt ist das rechte Netzwerk, das die rassistischen Verbrechen der Gruppe ermöglichte, noch aktiv und in der gesellschaftlichen Mitte verankert.

Das bundesweite Aktionsbündnis „NSU-Komplex auflösen” will diese Zusammenhänge aufzeigen und organisiert deshalb in mehreren Städten Tribunale, öffentliche Orte der Klage und Anklage. Nach den ersten beiden Veranstaltungen in Köln und Mannheim findet die dritte Auflage vom 1. – 3. November in Chemnitz und Zwickau statt. Die Organisator*innen erarbeiteten ein umfangreiches Programm erarbeitet, das am Freitag um 19 Uhr im Weltecho eröffnet wird. Unter anderem laden sie zu Critical Walks auf dem Kaßberg und im Fritz-Heckert-Gebiet ein, um die Orte des NSU in Chemnitz sichtbar zu machen. In Filmen, Workshops und Gesprächen kommen die Betroffenen des Terrors an seinem Ausgangspunkt zu Wort. Ein weiterer Fokus des Tribunals ist die Situation von Menschen mit migrantischer Biografie in Ostdeutschland in Vergangenheit und Gegenwart. Der Vortrag „Die doppelte Mauer” berichtet beispielsweise von vier rassistischen Morden an „Gastarbeiter*innen” in der DDR. Ziel der Organisator*innen ist es, ein „Sachsen der Vielen” zu verteidigen. Am Sonntag wird das Tribunal in Zwickau fortgesetzt, ein Programmpunkt ist die Eröffnung des Interim-Dokumentationszentrums.

Programm und die Anmeldung: www.nsu-tribunal.de/chemnitz-zwickau

Text: Christian Selent Foto: Jasper Kettner

Zurück