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Digitale Empathie

Odd Beholder im Atomino

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Odd Beholder, das Projekt der in Zürich lebenden Musikerin Daniela Weinmann, veröffentlichte 2018 sein Debüt-Album "All Reality Is Virtual". In den detailreichen aber präzise formulierten Stücken arbeitet Weinmann weiter an ihrer Version umarmender Electronica und melancholischer Popmusik. Wie auch auf den zwei bisher veröffentlichten EPs ist die Musik von ein Ausdruck von Enfremdung. Im Zentrum von Odd Beholder führt die Künstlerin akribisch Buch über die Merkwürdigkeiten der Welt um sie herum und adressiert diese in ruhigen und doch dringlichen Worten.

Die Beschäftigung mit virtuellen Realitäten bestimmt dabei indirekt auch die Produktion des Albums. "Vieles von dem, was online passiert, fühlt sich fade, falsch und manipulativ an. So entwickelte ich einen Appetit auf das Physische." Weinmann kehrt nach ihrer anfänglichen Ableton-Euphorie zu ihrer Gitarre zurück. Sie trifft den jungen Schweizer Musiker Martin Schenker, um ihre Ideen mit einem Gitarristen zu besprechen. Ironischerweise entdeckt sie dabei aber einen Produzenten: Schenker stellt ihr eine Menge eigener Tracks und Beats vor. "Ich vertraute seinem Geschmack und vor allem seinen chaotischen Methoden", sagt Weinmann.

Beide spielen sich gegenseitig unendlich viel Musik vor, von Aphex Twin zu Oneohtrix Point Never zu Mount Kimbie zu Kelela bis hin zu irgendwelchen Anime Soundtracks oder Classic Rock. Alles geht. "Am Ende benutzten wir einige schrottige Syntheziser wie den Yamaha DX7, Roland D-50 oder Dr. Rhythm. Und vor allem unsere Gitarren. Das Album mit Martin zu produzieren fühlte sich an, wie in einer Band zu spielen." Künstliche Intelligenz wird gute Popmusik schreiben, das ist nur eine Frage der Zeit. Aber wird sie auch die Freude empfinden, die das Spielen in einer Band mit sich bringt?

27.11. / Atomino

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