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100 Meter Sommer

Straßenfest auf dem Kaßberg

Kreativität, Kulturelles, Kulinarisches und jede Menge Spaß bietet der Einhundert-Meter-Sommermarkt. Mit einer Jury und einer Preisverleihung übertrifft das Sommerfest das analoge Winterevent. Bild zeigt was wo wann.

Kreativität, Kulturelles, Kulinarisches und jede Menge Spaß bietet der Einhundert-Meter-Sommermarkt. Mit einer Jury und einer Preisverleihung übertrifft das Sommerfest das analoge Winterevent.

Wer erinnert sich an den gemütlichen Einhundert-Meter-Weihnachtsmarkt auf dem Kaßberg? Moment – Weihnachtsgedanken im August? So halb: Die Wichtelmeile gibt es dieses Jahr erstmalig als Sommerversion.

Wie fing alles an?

Klaus Kowalke von der Buchhandlung Lessing und Kompanie, einer der Gründer und Organisator der Veranstaltung, erklärt: „Die Idee eines Wintermarktes kam von den Händlern selbst. Sie wollten sich im Weihnachtsgeschäft einmal anders präsentieren. Allerdings nicht nur unter dem rein marktwirtschaftlichen sondern hauptsächlich unter dem kulturellen Aspekt.“

Ohne kommerziellen Anstrich fanden sich Gewerbetreibende, Vereine, Arbeitsgemeinschaften und Schulen zusammen und organisieren jährlich seit 2014 eine Weihnachtsmeile um den Nikolaustag. Laut Klaus Kowalke liege die Besonderheit in dem Nachbarschaftscharakter. Die Hausgemeinschaften der beteiligten Straßen, das heißt mittlerweile von der Kreuzung Weststraße, Ecke Ulmenstraße bis zur Kreuzung Rudolf-Marek-Straße, Ecke Franz-Mehring-Straße, stellen ihre Grundstücke zur Verfügung.

Dadurch können unter anderem weitere Geschäftstreibende eingeladen werden, sich auf den freien privaten Flächen zu präsentieren. Da das Straßenfest nicht bürokratisch ist und nicht von der Stadt gefördert wird, findet es nämlich nicht auf öffentlichem Raum statt.
Aber auch anderweitig ist das Engagement der Bewohner einzigartig. Die Hauseingänge wurden dekoriert und die Besucher wurden bestens unterhalten.

Der Andrang war erstaunlich – mit bis zu 3000 bis 4000 Besuchern pro Tag. Von mal zu mal wurde der anfangs buchstäbliche Einhundert-Meter-Weihnachtsmarkt vergrößert. Da immer mehr Einzelhändler, Cafés, Restaurants und Hausgemeinschaften mitmachen wollten, verlängerte sich auch der Streckenabschnitt. „Der Gedanke, das Straßenfest auch im Sommer umzusetzen, existiert schon eine Weile. In diesem Jahr wird er erstmals realisiert“, verrät Klaus Kowalke.

Wie sieht die Sommervariante aus?

An die Öffnungszeiten gekoppelt, findet das Event am Samstag von 13 bis 22 Uhr statt. Klaus Kowalke berichtet von einer auffällig sommerlich gekleideten Sommerfrau, die auf bestimmte Programmpunkte hinweisen wird. „Außerdem wird sie die sechsköpfige Jury begleiten. Diese ist ebenfalls neu in der Veranstaltungsreihe“, so Klaus Kowalke.

Sie setzt sich aus der Musikschulleiterin Nancy Gibson, der Ballettmeisterin Sabrina Sadowska, dem Künstler Gregor-Torsten Kozik, dem Kantor der St. Pauli-Kreuz Steffen Walther, dem Friseurvizeweltmeister Marcel Bauer und dem CFC-Spieler Marc Endres zusammen.

Ab 17 Uhr beraten und entscheiden sie, welche Hausgemeinschaft „die coolste, schrägste und beste Idee“ umgesetzt hat und belohnen sie mit einem Präsentkorb, meint Klaus Kowalke weiter. Der Korb wird im Vorfeld von allen teilnehmenden Händlern gefüllt. Zusätzlich wird das gekürte Haus, eine Plakette erhalten – na wenn das nicht Ansporn genug ist. Im Zusammenspiel mit einer Kapelle wird der Preis gegen 20 Uhr feierlich übergeben.

Was die Hausgemeinschaften in diesem Jahr bieten, „bleibt eine Überraschung“, heißt es. Die vorläufige Teilnehmerliste verspricht ein vielseitiges Programm.
Fest steht: Die Händler schaffen den Marktcharakter, die Gastronomen sorgen für das Kulinarische und die Hausgemeinschaften bieten die kulturelle Unterhaltung. In der Wintersaison waren die Besucher von verschiedenstem süßen und herzhaften Gebäck, Theateraufführungen, Spielen sowie vom Musizieren und vielem mehr begeistert.

Dürfen nur Kaßberger und eingeladene Geschäftstreibende an dem fröhlichen Treiben Teil haben?

„Natürlich sind alle herzlich eingeladen“, versichert Klaus Kowalke. „Niemand muss sich im Vorfeld anmelden. Mehr oder weniger spontan kann der eigene Stand aufgebaut werden.“ Allerdings gibt es auch Grenzen: Auf der einen Seite sollen die örtlichen Gastronomen und Händler keine Konkurrenz kriegen und auf der anderen Seite ist der verfügbare Platz ausschlaggebend für die Größe der Sommermeile.

„Gerne können Nicht-Kaßberger mit den Anwohnern ins Gespräch kommen und fragen, ob sie mitmachen und sich in ihren Hauseingängen platzieren dürfen. Das wurde in den letzten Jahren bereits auch so gehandhabt“, bestätigt Klaus Kowalke. Es müsse lediglich bedacht werden, dass ausschließlich das jeweilige Haus den Preis, inklusive der Plakette gewinnt.

Aber im Grunde geht es ja um mehr: Im Vordergrund stehen der Spaß, der kulturelle Aspekt, die private und familiäre Atmosphäre und die Möglichkeit, der Kreativität freien Lauf zu lassen. Die Preisverleihung soll das Engagement belohnen.

Und oben drauf gibt es noch einen kleinen politischen Touch: Den Anwohnern und Besuchern soll bewusst werden, dass der Onlinehandel dem Einzelhändler Probleme bereitet.
Klaus Kowalke beleuchtet den Teufelskreis: Die Innenstädte sind nicht lebendig, weil die Gastronomen schließen. Sie verriegeln ihre Türen, weil keine Laufkundschaft vorhanden ist. Diese wiederum fehlt, weil die Läden zu sind. Und warum? Da keine Nachfrage mehr besteht. Im Prinzip könnte heute alles im Internet bestellt werden.

Doch da wo die Leute wohnen, wollen sie meist attraktiv leben. „Mit dem Einhundert-Meter-Sommermarkt soll das Wohnen auf dem Kaßberg – das Leben auf einem riesigen Parkplatz – einmal aufgelockert werden.
Und vor allem: So eine attraktive und lebendige Partymeile und vielleicht ein entspanntes Versacken nach dem Sommerfest in einer umliegenden Gastronomie gibt es im Netz nicht.“

Dem ist so gut wie nichts mehr hinzuzufügen. Kommt vorbei, bringt (eine) Begleitung(en) und schönes Wetter mit und dann kann das gemütliche und fröhliche Miteinander beginnen.

19.08. / 13:00 / Kaßberg

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