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Geschichte der Buchstaben

Typographie-Ausstellung in der Neuen Sächsischen Galerie

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Typographie-Ausstellung in der Neuen Sächsischen Galerie

Karl Marx´ Aufruf „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“prangt in Dutzend Sprachen hinter seinem Denkmal. Doch wer hat die Schrift dafür entworfen? Und wie sich die Schriftgestaltung überhaupt in Chemnitz entwickelt? Diese und andere Fragen beantwortet die Ausstellung „ZEE.3.7.1 – Schrift und Typografie in Chemnitz seit 1466“.

Schrift begegnet uns in allen Bereichen des Alltags, sei es in Büchern, der Werbung, in sozialen Netzen oder beim Lesen dieses Artikels. Doch sie „ist nicht nur zum Lesen da, man sieht sie auch“, wie der Typograf und Buchgestalter Friedrich Forssman sagte. Er bezieht sich dabei auf die Darstellungsform des Geschriebenen, der Typografie. Durch sie kann man ausdrücken, was man mit der Bedeutung der Worte selbst nicht sagen kann.
    
Zum 875. Geburtstag macht sich die Neue Sächsische Galerie gemeinsam mit der Stadtbibliothek  den Charakter und die Wirkung der Schrift bewusst und betrachtet ihren Einfluss auf die Stadt. Zu den Beweggründen für diese Ausstellungen befragt, antwortet Matthias Lindner, Direktor der NSG, dass Schrift und Typografie in Chemnitz vernachlässigt und nie betrachtet worden seien. „Die Antwort auf die Frage, wie bereit wir sind, etwas zu lesen, liefert jedoch die Typografie“. Der Stadtgeburtstag sei nun der geeignete Anlass gewesen, um sich dem Thema endlich zu widmen.

Die Besucher und Besucherinnen bekommen einen Einblick in die Entstehung der Schrift und lernen, wie sie sich in Chemnitz entwickelt hat. Auf den Spuren der Buchstaben durchquert man das antike Rom, lernt den Einfluss bedeutender Einschnitte, wie die Erfindung des Buchdrucks kennen und erfährt schließlich von der Nutzung durch die Werbung.  Aktuellere Exponate zeigen den Einfluss der Digitalisierung und erklären die Entstehung der Schriftarten, die jeder von seinem Computer kennt. Am Ende des Rundganges hat man die Möglichkeit, dass Gelernte durch Feder oder Schreibmaschine auf Papier zu bringen. So sollen die Besucher*innen ihren Blick für Typografie durch Tests und Spiele schärfen.

Die Ausstellung ist besonders im historischen Teil sehr informativ und anschaulich. Anhand von Beispielen kann man den Wandel der Typografie und Buchstaben durch die Zeit folgen. Leider sind die moderneren Auseinandersetzungen mit Schrift und Typografie, wie z.B. Straßenkunst und Graffiti, nicht so gut dargestelt. Auch wenn moderne Ansprüche an die Schrift durch Digitalisierung etc. erklärt werden, bleibt der Bezug zu Chemnitz etwas auf der Strecke. Dennoch sind die Exponate auch ohne Erläuterungen spannend.

Der Titel „ZEE.3.7.1“ ist übrigens ein geschicktes Spiel zwischen Schrift- und Klangbild. Wenn man den Titel laut ausspricht, würde man nie denken, wie er geschrieben wird. „Wir möchten die Leute dafür sensibilisieren und ermutigen, es laut auszusprechen, um es zu verstehen“, formuliert Lindner. Die Ausstellung reflektiert diesen Gedanken und so bleiben die Exponate nicht nur reine Informationen. Sie sind auch die Aufforderung, über Schrift und Typografie nachzudenken.

Bis 16.09. / Neue Sächsische Galerie





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