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Anklage

Der Fall Collini

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Protagonist Caspar Leinen im Anzug allein auf der Treppe des prunkvollen Justizgebäudes

Courtroom Thriller sind in den USA ein riesen Ding. Ferdinand von Schirach liefert nun mal wieder den Stoff für eine deutsche Version des Justiz-Drama-Genres, das in Deutschland noch nicht so richtig angekommen ist.

Der Fall Collini ist die Erzählung von einem deutschen Justizskandal, der Stück für Stück vom unwissenden Neuling, Caspar Leinen (Elias M'Barek), aufgedeckt wird. Als Pflichtverteidiger ist er gezwungen, dem Italiener Collini (Franco Nero) im Gerichtssaal zur Seite zu stehen, nur schweigt dieser eisern. Er gibt zu, den Unternehmer Hans Meyer umgebracht zu haben, nur das Motiv, das rückt er nicht heraus. Für Leinen beginnt der Fall als Gewissenskonflikt, da Meyer der Großvater seiner Jugendliebe und für ihn selbst ein zweiter Vater war. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass es um etwas größeres geht: Ein Gesetz von 1968, das NS-Verbrechern zugute kam und diese oft aufgrund mangelnder Beweislast unbehelligt ziehen ließ. Meyer verliert seinen Heiligenschein und Collini das Gesicht des eiskalten Mörders. Das Drehbuch hält sich überraschend genau an die Buchvorlage, was die Spannung über alle Schauplätze und Entdeckungen hin erhält, jedoch nimmt es die Ambivalenz aus den Charakteren und gliedert sie, entgegen der eigentlichen Intention des Romans, am Ende wieder in gut und böse.
„M’Barek liefert in der Verfilmung von Ferdinand von Schirachs Bestseller seine bisher wohl beste Drama-Leistung und trägt diesen packenden, hochemotionalen Justiz-Krimi, der zwar einige Zeit benötigt, um erzählerisch in die Gänge zu kommen, dann aber eine große Dringlichkeit erreicht.” (Carsten Baumgardt, filmstarts.de)

20.08. / 20:45 / Theaterplatz

Bild: constantin-film.de

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