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Roter Oktober

Kommunismus als Fiktion und Befehl

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Haralampi G. Oroschakoff - Drama Lenins, Installationsansicht in der Ausstellung

Die Ausstellung Roter Oktober. Kommunismus als Fiktion und Befehl bezieht sich auf das 100jährige Jubiläum der Februar- und Oktoberrevolution(en) in Russland 1917. Sie thematisiert den Aufstieg, Wandel und Fall der kommunistischen Utopie. Genauso aber stellt die Ausstellung die Frage nach der heutigen Virulenz einer neuerlichen Konjunktur kommunistischer bzw. antikapitalistischer Denkbilder ins Zentrum der Ausstellung.

Mittels zeitgenössischer Kunstwerke der verschiedensten Gattungen und Medien sowie einer Auswahl historischer Kunstwerke will die Ausstellung, kuratiert von Dr. Paul Kaiser (Dresden), Christoph Tannert (Berlin) und Mathias Lindner (Chemnitz), die künstlerische Dimension jener kommunistischen Epoche sinnfällig machen.

Diese werden in Form von verschiedensten Medien dargestellt. Beeindruckend ist zum Beispiel das begehbare Werk von Brigitte Waldach. Bei ihrem Werk „Brain Box“ sind Zusammenhänge, Aktion und Reaktion sowie einander zugehörige Beweggründe mithilfe von dickeren und dünneren Fäden in der passenden Farbe rot wortwörtlich miteinander verknüpft. Waldach wollte damit den Weg einer Idee zu einer Ideologie versinnbildlichen. Ebenso interessant ist Norbert Wagenbretts Bildergalerie, bestehend aus sieben Porträts, die alle Ebenen und Formen der früheren Gesellschaft darstellen sollen.

Einer der Kuratoren, Dr. Paul Kaiser, beschreibt das Anliegen der Ausstellung wie folgt: „Die Ausstellung versteht sich als künstlerisches Panorama eines durch den Platzpatronenschuss des Panzerkreuzers Potemkin 1917 in Petrograd eingeleiteten Jahrhunderts zwischen kommunistischer Machtdurchsetzung und kommunistischem Machtzerfall, das auch die Zeit nach dem Ende des Sowjetimperiums bis heute einbezieht. Einige Werke thematisieren dabei auch die sich zum Teil radikal wandelnden Positionen von Intellektuellen und den von ihnen geführten meinungsbildenden Diskursen. Deren Haltungen reichten von der kritiklosen Mitwirkung an einer kommunistischen Moderne über die wachsende Skepsis durch die Kenntnis beobachtbarer Verwerfungen bis hin zu Formen gravierender Desillusionierung, Feindsetzung und offener Dissidenz. Nach 1989 wurden diese Positionen zunächst generell als obsolet betrachtet, bevor ab den 2000er Jahren in den Erinnerungsdebatten und auch in vielen künstlerischen Diskursen eine neuerliche Befragung der kommunistischen Utopiegehalte, wie auch des Marxismus, einsetzte und die Totalitarismus-Debatte ablöste.“
 
Matthias Zwarg von der Freien Presse sieht in der Ausstellung „eine sehenswerte Auswahl an Arbeiten, die sich von feiernd, wohlwollend über kritisch bis zynisch mit der Oktoberrevolution im Speziellen und kommunistischen Utopien im Allgemeinen beschäftigen.“

Arbeiten folgender Künstler*innen sind in der Ausstellung: The Blue Noses, Carlfriedrich Claus, Fritz Duda, Alwin Eckert, Erich Enge, Hubertus Giebe, Moritz Götze, Wasja Götze, Norbert Hinterberger, Via Lewandowsky, Martin Maleschka, Florian Merkel, Haralampi G. Oroschakoff, Osmar Osten, A.R.Penck, Uwe Pfeifer, Ulrich Polster, Julian Röder, Jürgen Schieferdecker, Ulrike Theusner, TMOMMA, Sergej Voronzow, Norbert Wagenbrett, Brigitte Waldach, Willy Wolff, Axel Wunsch, Silvio Zesch, Gruppe ZIP.

Bild: Haralampi G. Oroschakoff - Drama Lenins, Installationsansicht in der Ausstellung

10.10. - 14.01. / Neue Sächsische Galerie

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