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Figurentheaterstück über Stefan Heym

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Das Verhältnis von Stefan Heym zu seiner Geburtststadt Chemnitz gilt als ist zwiespältig. Nun erkundet ein Figurentheaterstück diese Beziehung.

1913 als Helmut Flieg hier geboren, verließ er bereits 1930 die Stadt. Zuvor war er wegen eines antimilitaristischen Gedichts vom Gymnasium geflogen. 1933 floh er, Sohn eines jüdischen Kaufmanns, nach Prag, 1935 emigrierte er in die USA. Als Soldat der U.S. Army kehrte Heym 1945 auf der Suche nach dem Grab seines Vaters erstmals nach Chemnitz zurück. Anfang der 1950er zog Stefan Heym Jahre nach Ostberlin, wo er bis zu seinem Tod 2001 lebte. In der DDR galt er ab Mitte der 70er-Jahre als unbequemer Kritiker, In seinen Romanen und Erzählungen beschrieb er die Widersprüche im Lebensalltag der DDR und kritisierte darüber hinaus öffentlich die Staatsführung. Im Westen sah man ihn daher als Dissidenten. Umso verwunderter reagierte man dort, als Heym nach der politischen Wende 1990 für die SED-Nachfolgepartei PDS in den Bundestag einzog.

Erst in seinen letzten Lebensjahren besann sich seine Geburtstadt auf den berühmten Sohn. Wenige Wochen vor seinem Tod ernannte sie ihn zum Ehrenbürger. In dieser Tradition ist auch die Figurentheaterproduktion Wenn mich einer fragte … einzuordnen, die in Zusammenarbeit mit dem Festival  „neue unentd_ckte narrative – Aufstand der Geschichten“ entstand. Regisseur Christoph Werner, einer der gefeiertsten Puppenspielkünstler des Landes, untersucht darin das Verhältnis von Stefan Heym und Chemnitz. In seinem Stück kehren der alte und der junge Heym zurück und blicken in ihrer je eigenen Perspektive auf die Stadt und auf Deutschland im 20. Jahrhundert. Werner: „Es geht in unserem Stück vorwiegend um den jungen Stefan Heym und die Ereignisse 1931 in Chemnitz und dann noch einmal um seine Rückkehr nach dem Krieg 1945. Wir benutzen dazu vorwiegend Texte aus Heyms Autobiographie.“

Heyms eigene Biografie zeigt eine Lebensgeschichte, die wie die Geschichte von Stadt und Staat, voller Umbrüche, Widersprüche und Visionen steckt. Und dabei fließen ganz aktuelle Entwicklungen in Chemnitz mit ein: „Unsere Ausgangsfrage war: Können wir wieder eine Situation bekommen wie 1931 bis 1933? Also ist die Geschichte Stefan Heyms noch aktuell? Wir haben Interviews geführt und daraus kleine Filme gemacht, die den Abend strukturieren und thematisch grundieren. Sie verbinden die Erzählung der beiden Heympuppen mit dem Heute der Spieler. Wir zeigen nicht nur das Ergebnis unserer Proben, sondern auch den Weg dahin, und dieser Weg begann am 20. August. Wir verarbeiten die Ereignisse nach dem 26. August im Stück, ganz unmittelbar, so wie wir sie erlebt haben.“

Text: Lars Neuenfeld, Foto: Fabian Thüroff

09. & 10.03. / 20:00 / Figurentheater

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