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TangoBAR im Weltecho Café

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Gedämpftes rotes Licht, ein paar Kerzen, argentinische Musik und das Knarren des Holzfußbodens - ein erster Eindruck, der beeindruckt. Jeden ersten Mittwoch und vorletzten Freitag im Monat kann man im Weltecho in gemütlicher Runde Tango tanzen.

Und wieso gerade Tango? Alles begann 1997 im Rahmen des Kulturfestivals Begegnungen. Dieses Programm widmete sich besonders dem Bandoneon. Chemnitz, eine Stadt mit Geschichte, gilt als Ursprungsort des Instruments. Und was hat das mit Tango zu tun? Das Bandoneon, entwickelt von Heinrich Band, ist ein Verwandter der Konzertina, welche in Chemnitz von Carl Friedrich Uhlig gebaut wurden. In der argentinischen Musik spielt es als Instrument eine tragende Rolle und hängt demnach eng mit dem Tango zusammen. Aus diesem Impuls heraus wurden Tangoabende Ende der 90er im ehemaligen VOXXX veranstaltet. Eine Gruppe von Tangoliebhabern fand sich schnell zusammen und heraus kam tangomarx. Veranstalter der TangoBAR, Berndicek, ist ebenfalls Teil dieser Gruppe.

Im Vergleich zu Dresden ist die Szene in Chemnitz heutzutage jedoch sehr klein. Das 371 war an einem Tangoabend zu Besuch und sprach mit dem Veranstalter, Berndicek. „In der näheren Umgebung gibt es kaum Bands, die Bandoneons spielen oder die sich der argentinischen Musik widmen.“, sagt er. Traurig, aber wahr. Und so sind die Abende im Weltecho besonders wichtig.

Eine Besonderheit an den beiden Abenden jeden Monat ist der ausgelegte Fußboden. Dieser wurde aus dem ehemaligen VOXXX übernommen. Die zehn Zentimeter über den eigentlichen Boden liegenden Dielen sind Zeugnis vieler schwungvoller Tangoabende. Abgenutzt und knarrig gibt er dem Ganzen einen rustikalen und heimischen Charakter. Auf die Frage, wer denn alles zum tanzen kommt, antwortet Berndicek: „Es kommen meist Tänzer mit Vorkenntnissen, die zeigen, was sie können. Doch es sind auch immer mal Zuschauer da, die einfach gern bei einem Glas Wein sitzen und beobachten.“ Also die Türen stehen allen offen. Berndicek und Gisela organisieren zusammen die Abende und wählen auch die Musik aus, zu der getanzt wird – Musik aus Argentinien und anderen Ecken der Welt. Als Gast-DJ sorgt Peter Wagler mit seinem Plattenkoffer auch ab und zu für gute Musik. Vor allem werden Klassiker aus den 30er Jahren gespielt. Abwechselnd können die Tanzpaare Tangos, Milongas oder Valses tanzen, die sich in Geschwindigkeit und Betonung voneinander unterscheiden. Die Musik kommt meist aus den Boxen, doch ab und an gibt es auch Abende mit Live-Musik.

Die Paare, die man in der TangoBAR beobachten kann, zeigen genau das, was man sich vom Tango erhofft - Intimität, Kraft und Leidenschaft. Tanzpartnertausch wird dabei gern gesehen. Das wäre für die Tänzer immer aufs Neue eine Herausforderung, betonte Berndicek. Mit einem zwinkernden Auge sagt er: „In Argentinien wird man erstochen, wenn man drei Lieder hintereinander mit ein und derselben Frau tanzt.“ Im Weltecho Café sieht man das Ganze nicht so streng. Der Tanz, die Atmosphäre und die Menschen stehen an diesen Abenden im Mittelpunkt – Langweile hat da keine Chance.

22.12. / Weltecho

Bild: © atelier weise / chemnitz Text: Felicitas Wünsch

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