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Struktur und Chaos

Neue Ausstellung mit Werken von David Schnell in den Kunstsammlungen

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Neue Ausstellung mit Werken von David Schnell in den Kunstsammlungen

Ab dem 2. Februar zeigen die Kunstsammlungen am Theaterplatz die Ausstellung „Splitter. David Schnell“. Zahlreiche Werke des Leipziger Künstlers werden zum ersten Mal präsentiert. Dazu zählt auch ein eigens angefertigtes Glasfenster.

David Schnell lebt und arbeitet in Leipzig. Aufgewachsen ist er in Bergisch Gladbach, zum Malereistudium zog es ihn 1995 an die HGB, wo er es bis zum Meisterschüler von Arno Rink brachte. Mittlerweile ist er ziemlich berühmt, wird von dem weltweit geschätzten Galeristen Judy Lübke vertreten und seine Bilder wechseln schon mal für sechsstellige Summen den Besitzer. Seine Werke sind in namenhafte privaten wie öffentlichen Sammlungen zu finden und er hat prominente Fans wie Michael Ballack und den Fernsehmoderator Johannes B. Kerner.

Das alles führt dazu, dass Schnell manchmal in die Schublade Neue Leipziger Schule gesteckt wird – aber da gehört er eigentlich gar nicht rein. Von den bedeutungsschwangeren Arbeiten eines Neo Rauch oder Tilo Baumgärtel ist er weit entfernt. Deren erzählerische Herangehensweise scheint David Schnell nicht zu interessieren, seine Arbeiten sind vor allem eine ästhetische Erfahrung. Was zunächst als pinibel komponierte geometrische Struktur erscheint, verwandelt sich vor dem eigenen Auge in ein Chaos aus Form und Farbe. „David Schnell löst natürliche Erscheinungen auf und lässt sie aus architektonisch oder organisch anmutenden Formen neu entstehen. Obwohl er künstlerische Grundlagen wie die Zentralperspektive offensichtlich nutzt, legt Schnell Wert auf das Zufällige im Entstehungsprozess“, beschreibt Frédéric Bußmann, Generaldirektor der Chemnitzer Kunstsammlungen, David Schnell Arbeitsweise.

Frédéric Bußmann kennt David Schnell bestens aus seiner Zeit als Kuratur am Museum für Bildende Künste in Leipzig, für die Ausstellung in Chemnitz musste er den Künstler nicht lange bitten. Zum einen konnte ihn Bußmann mit der Gestaltung eines Fensters im Haus am Theaterplatz locken. Schnell gestaltete schon Kirchenfenster in Leipzig, Köln und Naumburg, offensichtlich findet er also Gefallen an der Möglichkeit, die Ästhetik  seiner Werke um den Aspekt des sich natürlich wandelnden Tageslichts zu erweitern. Zum anderen kennt David Schnell die Stadt, schon in den 1990ern fuhr er hin und wieder ins Voxxx, vor allem wegen der guten House- und Techno-Partys. Die Leidenschaft für elektronische Musik kann man in gewisser Weise auch in seinen Bildern entdecken. In den Chemnitzer Kunstsammlungen kann man sie darüber hinaus ganz physisch spüren. Im April präsentiert David Schnell sein Label NYT im Museum, u.a mit den hochgeschätzten House-Acts Map.Ache, CPN und seinem eigenen Musikprojekt Schnell & Sebastian.

Text: Lars Neuenfeld
Foto: David Schnell, Blau, Ausschnitt, 2010, © Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin/, VG Bild-Kunst, Bonn 2019

02.02. - 12.05. / Museum am Theaterplatz

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