Magazin

Beichtstühle, Wasserspeier, Lichtschwerter

Lydia Thomas über künstlerische Inspiration und Unterstützung in Chemnitz

Veröffentlicht am:

Nach eigener Aussage wird sie bei jeder Ausstellung und jedem Auftrag mit neuen Herausforderungen konfrontiert. „Das ist eigentlich das Schöne daran, dass man immer versuchen muss neue Lösungen zu finden” beschreibt Lydia ihre Tätigkeit als Malerin. Um sich als freie Künstlerin zu etablieren, versucht sie so gut es geht kontinuierlich zu arbeiten, etwas, das ihr immer Halt gibt.

Der Schaffensprozess und die Bedeutung ihrer Kunst haben sich mit den Jahren gewandelt. Das schnelle Darstellen reicht ihr nicht mehr. Immer öfter stellt sie sich die Frage „Was willst du eigentlich damit?”. Dementsprechend brauchen ihre Werke länger, umso tiefer werden aber auch deren Bedeutungen. Schon seit vielen Jahren befasst sich Lydia Thomas in ihrer Kunst mit Realität und Parallelwelten, versucht, das nicht Sichtbare zu ergründen. Sie will ihre Themen künstlerisch anpacken, ohne dass es zu inhaltslastig oder mit einem zu erhobenen Zeigefinger wirkt. Von ihrer ehemaligen Professorin hat sie gelernt, dass Kunst immer politisch ist, denn es ist reine Interpretationssache, was der Betrachter im Bild sieht.

Viele ihrer ausgestellten Werke zeigen kirchliche Motive. „Das ist der oberbayrische Einfluss” erklärt Lydia. Während ihrer Schulzeit sind alle Klassenkameraden regelmäßig zur Beichte gegangen. Sie war nicht getauft, doch ein Interesse für das was da passierte, hatte sie schon damals. In der aufwendigen Schnitzkunst und dem Detailreichtum der barocken Beichtstühle lassen sich Figuren und Gesichter erkennen, deren mystische Stimmung Lydia Thomas in ihren Werken aufnimmt. Die Wasserspeier zum Beispiel, die sich in mehreren ihrer Bilder wiederfinden, konnte sie im Regensburger Dom von einer seltenen Nähe studieren. Die klassischen kirchlichen Motive werden dann aus ihrem Kontext genommen und in einen zeitgenössischen gesetzt.

In Chemnitz findet Lydia noch immer viel Inspiration und will die Stadt auch künftig mitgestalten. Für die Zukunft wünscht sie sich, dass die bestehende Kulturszene noch mehr gefördert wird, nicht nur im Rahmen der Bewerbung als Kulturhauptstadt. „Die Galerie Weise unterstützt mich immer. Das ist schon viel wert.” äußert sich Lydia dankbar. Galerist Bernd Weise erklärt seine langjährige Begeisterung für ihre Kunst: „Sie ist für mich in den letzten 30 Jahren die beste Künstlerin, die ich kennengelernt habe, und das interessanteste Talent, das mir bisher über den Weg gelaufen ist”. Künftig würde er sie gerne bei der Herstellung einer großen Skulptur unterstützen, sowie bei einer Wandarbeit für eine öffentliche Einrichtung. Bernd Weise will weiterhin Leute für Lydias Bilder  begeistern, bis es vielleicht irgendwann zu einer Museumsausstellung kommt: „Dafür ist man in dem Alter leider noch zu jung. Also müssen wir weiter daran arbeiten, bis es mal so weit ist.”

Form.Farbe.Chemnitz, noch bis zum 8. August 2020, Galerie Weise im Rosenhof.
Neben Gemälden von Lydia Thomas sind Stahlskulpturen Wolfram Schneider.

Text: Nina Fitterling Foto: Galerie Weise

Zurück