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Musik von Tauben

DEAF: Vom Schlafzimmerprojekt zum Gesamtkunstwerk

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Bandfoto Deaf

„Manchmal muss es einfach weh tun“, sagt Markus Altmann von deaf. Deren Album-Debüt „61heavy“ ist irritierend, elektronisch-düster und vor allem – sehr laut.  

Seit 2016 hatte Markus Altmann (u.a. Calaveras, Bombee) für sich im Stillen an Songideen gebastelt, die seine weit gefächerten Vorlieben für HipHop, Krautrock und Metal, aber auch seine Einflüsse als Booking Agent für das elektronische Label „Raster-Noton“ vereinten. „Als er mir die Demo-CD in die Hand drückte, hat mir das erst mal gar nicht gefallen – ich konnte das nicht einordnen“, gesteht Tom Müller (u.a. Calaveras, Radar, Caspian Sea Monster). Extrem verzerrter synthetischer Gesang traf auf heftige Beats und Bässe, seltsame Melodien und irritierende Soundeffekte. Doch als Altmann ihn fragte, ob die rein digital entstandenen Songs auch live auf der Bühne umsetzbar seien, war der Ehrgeiz des Schlagzeugers geweckt. Gemeinsam entwickelten sie das Material weiter und plötzlich war er da: der Flow.

Bereits seit ihren ersten Live-Konzerten, bei denen die beiden mit live gespielten Drums und Synthesizern computerunterstützt ihre Songs spielen, legen deaf großen Wert auf ihre visuelle Bühnenpräsenz. Parallel zur Musik laufen speziell angefertigte Videoanimationen, die Musiker selbst stecken in symbolträchtigen Kostümen, es gibt den ein oder anderen theatral(isch)en Effekt. So zu erleben bei der rein virtuell im Internet übertragenen Record-Release-Show aus dem Atomino – denn deaf entschlossen sich, die LP im Juli mitten in der Pandemie zu veröffentlichen. „Die musste einfach raus“, so Müller und Altmann ergänzt: „So viele Bands halten gerade jetzt ihre eingespielten Platten zurück – da war das der richtige Zeitpunkt für uns.“

„61heavy“ umfasst neun experimentelle Avantgarde-Pop-Songs, die mit ihrer düsteren, aggressiven Grundstimmung sowohl im Club als auch im abgedunkelten Wohnzimmer funktionieren. Dabei ermöglichen die unterschiedlichen Gesangseffekte Markus Altmann in verschiedene Rollen zu schlüpfen und seine Sichtweisen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu verarbeiten.

Mit dem Produzenten Philipp Roeder (u.a. Bombee), über Gastmusiker wie Alex Lörinczy (Iguana) bis zum Layout durch Alexander Seypt (Bombee) sind zahlreiche Freunde bei der Verwirklichung beteiligt gewesen. Diese Unterstützung holt man sich auch zu den Livekonzerten, die deaf so schnell wie möglich wieder aufnehmen wollen.

Die Vinyl-LP (limitiert auf 500 Stück) gibt es im Underworld Recordstore oder über die deaf-Bandcamp-Seite.

deaf Record Release Show im Atomino TV auf youtube.

Text: René Thierfelder Foto: Promo

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