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Spielfrei

Heda Bayer während der Coronakrise

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Zwar werden nun einige Lockerungen kommen, doch für die Theater ist die Wiederaufnahme des Spielbetriebs noch nicht in Sicht. Wie können sich Schauspieler, Theatermacher und Künstler sich derzeit überhaupt am Leben halten, wenn ihr Beruf stillgelegt wurde?

Für soziale Menschen und Kulturliebhaber*innen ist die Corona-Zwangspause ein Ärgernis. Für die Künstler*innen jedoch, ist der Wegfall sämtlicher Kulturveranstaltungen ein Angriff auf die eigene Existenz. Denn viele von ihnen sind selbstständig und abhängig von Auftritten und den dazugehörigen Honoraren. Und die fallen gerade weg.

Heda Bayer muss das Problem gerade auf mehreren Ebenen erleben. Sie wirkt im „Komplex“, der Off-Bühne für darstellende Künste an der Zietenstraße und stellt dort unter anderem das Programm zusammen. Sie legt dabei Wert auf internationale Zusammenarbeit. Solange das Theater geschlossen ist, muss sie auch den Künstlern Absagen erteilen. Was langfristig organisiert wurde, ist mit einem Schlag passé. In diesem Herbst etwa sollte eine Künstlerkompanie aus Spanien ein Gastspiel auf dem Sonnenberg spielen. Daran ist nun nicht mehr zu denken. Wie Heda Bayer erklärt, brauchen solche Engagements teilweise einen Vorlauf von über einem Jahr, daher lasse sich ein Gastspiel auch nicht einfach verschieben. Für ihren Verein, der die Bühne betreut, ist die Lage traurig, aber verschmerzbar. Die Mietzahlungen wurden der Bühne vom Vermieter erlassen. „Als ehrenamtlicher Verein, der keine großen Gewinne machen darf, ist das kein großer Verlust – hart ist es für die Künstler“, so Bayer.

Viele Künstler und vor allem Schauspieler sind freiberuflich tätig und arbeiten auf Honorarbasis. Sie touren für ihre Engagements durch ganz Sachsen, Deutschland und mittlerweile sogar durch ganz Europa. Heda Bayer selbst ist als Schauspielerin, Performerin, Theaterpädagogin und Regisseurin häufig auf Bühnen in Tschechien zu sehen. Derzeit liegt die internationale Arbeit aber brach. Wenn sie nach Tschechien einreisen will, muss sie jedes mal eine zweiwöchige Quarantänephase auf sich nehmen, an schnelles Pendeln ist nicht zu denken. Sie selbst ist als Künstlerin breit aufgestellt und kann sich derzeit mit anderen Arbeiten durch die Coronakrise retten, etwa, indem sie an neuen Inszenierungen arbeitet. Viele ihrer Kolleg*innen jedoch wären derzeit auf Arbeitslosengeld angewiesen und müssten mit Existenzängsten kämpfen. „Am meisten würde ihnen eine Soforthilfe bringen, wie sie auch in Dresden oder Leipzig ausgeschüttet wird“, sagt sie. Vonseiten der Stadt Chemnitz sei eine solch unkomplizierte Hilfeleistung nicht in Sicht. Lediglich ein kleines Sonderprogramm soll künstlerische Aktivitäten fördern, ist aber an kreativen Output gekoppelt.

Wie es weitergeht, für sie und ihr Theater, so verfolgt sie die Nachrichten und schrittweisen Lockerungen, wie alle anderen auch. Ihr Sommertheatercamp mit tschechischen Kindern wurde abgesagt, ebenso das Theaterfestival „Kammermachen“. Die Theatermacherin stellt sich auf eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Herbst ein, wie das aber genau aussehen soll, bleibe fraglich.

„Im Herbst werden wir dann sehen, wie es funktioniert“, sagt sie. Zumal es in den letzten Monaten des Jahres eine große Häufung verschobener Veranstaltungen gäbe – es werde sich zeigen, ob das Chemnitzer Publikum auch wirklich regelmäßig und oft die Kulturangebote wahrnehmen und dafür auch Geld ausgeben würde. Was allerdings internationale Gastspiele angeht, so ist die Lage derzeit unsicher. Denn noch gibt es vonseiten der Politik wenig Aussicht auf eine baldige Öffnung der Grenzen, diese Lücke wird sich wohl noch bis ins kommende Jahr ziehen, schätzt Heda Bayer. Und dann müssen die Zeitpläne zwischen Künster*innen und Spielstätten erneut abgestimmt werden.

Text: Sarah Hofmann, Foto: Presse

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