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Sachsen Boomt

4. Sächsische Landesausstellung feiert 500 Jahre Industriekultur

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Vitrinen mit Exponaten und Animationsfilm auf Leinwand in der MaschinenBoom

In der sächsischen Industriegeschichte gab es Boom-Phasen und Rückschläge, doch durch harte Arbeit und einen ausgeprägten Erfindergeist konnten Krisen immer wieder überwunden werden. Unter dem Thema „Boom. 500 Jahre Industriekultur in Sachsen” eröffnet die 4. Sächsische Landesausstellung am 11. Juli nach einer coronabedingten Verschiebung.

Neben der Zentralausstellung im Audi-Bau Zwickau werden an sechs weiteren Schauplätzen branchenspezifische Ausstellungen zur Industriegeschichte gezeigt: Die „AutoBoom” in Zwickau, die „MaschinenBoom” und die „EisenbahnBoom” in Chemnitz, die „KohleBoom” in Oelsnitz im Erzgebirge, die „TextilBoom” in Crimmitschau und die „SilberBoom” in Freiberg.

Im Industriemuseum Chemnitz kann in der Ausstellung „MaschinenBoom” die Entwicklung und die Rolle von Maschinen in unserem Alltag erforscht werden. Kurator Jürgen Kabus wollte mit dieser Ausstellung etwas völlig anderes machen. Statt ausschweifenden Erklärungen auf großen Tafeln gibt es Videos, Kurzfilme und Tablets, die das Thema auf moderne Weise vertiefen. Das Bild der Maschine, das in den Köpfen verankert ist, soll erneuert werden: Kann eine Maschine nicht vielleicht auch spannend oder schön sein?

„Was ist eine Maschine?” fragt eine Leuchtschrift im ersten, abgedunkelten Raum, der sogenannten Black Box. In Videos nimmt Autor und Kulturtheoretiker Martin Burckhardt die Besucher mit auf eine philosophische Reise, mit dem Ziel, den Begriff der Maschine zu hinterfragen. Ohne sie je direkt zu stellen, soll auch der zweite Teil der Ausstellung, die Wunderkammer der Maschine, eine Leitfrage aufwerfen: „Was machen Maschinen mit dem Leben und dem Alltag der Menschen?”. Jürgen Kabus will auf diese Fragen keine Antwort geben. Das bleibt den Besuchern selbst überlassen, sofern sie sich auf die Ausstellung einlassen.

Auf vielfältige Weise soll den Besuchern die Entwicklung der Maschine näher gebracht werden. Gegliedert in die Industrie 0.5 bis 4.0 sind in großen Vitrinen Exponate auf mehreren Fächern ausgestellt. Diese reichen von Kochlöffel, Waschmaschine und Bierwärmer bis Föhn, Computer und Taschenrechner. In der Mitte der Räumlichkeiten stehen die großen, klassischen Maschinen und auf dem Fußboden sind Fakten und Erklärungen zur Technikgeschichte aufgeklebt. Auf Sitzbänken können Besucher die Ausstellungsstücke auf sich wirken lassen. Von hier aus lassen sich auch kurze Animationsfilme anschauen, die statt einen dokumentarischen, einen emotionalen Ansatz anstreben und die Vitrinen laut Jürgen Kabus auf charmante und angenehme Art unterbrechen. Highlight des Themenbereichs der Industrie 4.0 ist ein hängender 3D-Drucker, der an einzelnen Tagen vorgeführt werden soll. Darum sind interaktive Elemente angeordnet, die in Kooperation mit unterschiedlichen Institutionen und Firmen aus Chemnitz entstanden sind.

Drei Jahre lang wurden für die Ausstellung Exponate gesucht, gesammelt und reduziert. 80 Prozent der Ausstellungsstücke gehören dem Fundus des Industriemuseums an, der Rest stammt von Leihgebern aus Spezialmuseen in Sachsen, aber auch zum Beispiel aus dem Technikmuseum Wien.

Mit der MaschinenBoom will man aufschließen, neben Männern als klassische Zielgruppe auch Kinder und Frauen ansprechen. Das passiert zum einen durch die ausgestellten Haushaltsgeräte und Konsumgüter, die in Erinnerungen schwelgen lassen, als auch mit den modernen Medienformaten und interaktiven Elementen. Laut Jürgen Kabus ist es die medienreichste Ausstellung, die jemals im Industriemuseum gezeigt wurde, und soll damit auch ein jüngeres Publikum ansprechen.

Aufgrund der coronabedingten Hygiene-Vorschriften sind die interaktiven Elemente und die Tablets, die in der gesamten Ausstellung verteilt Texte und Interviews zeigen sollen, zur Zeit noch nicht in Benutzung. Das Museum hält sich streng an die Auflagen, denn es trägt letztendlich die Verantwortung. „Ich denke aber, die Menschen haben Verständnis für die Situation“, beurteilt Herr Kabus die Vorschriften. „Nach und nach soll das jetzt stufenweise hochgefahren werden”, erklärt er. Die Tablets werden voraussichtlich bald mit Touch-Stiften nutzbar gemacht.

Jürgen Kabus bezweifelt, dass die Besucherzahlen so hoch sein werden, wie vor der Corona-Pandemie angenommen. „Aber die Leute wollen wieder Kultur”, beschreibt er die Lage. Er hofft auf einen konstanten Besucherstrom und auf eine monatliche Steigerung: „Ich bin glücklich über jeden der kommt und sich auf die Ausstellung einlässt”.

Die Sächsische Landesausstellung läuft noch bis zum 31.12.2020.
Weitere Infos unter: https://www.boom-sachsen.de/

Foto: Hannelore Zschocke
Text: Nina Fitterling

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