⚠ Diese Webseite wurde nicht für Internet Explorer 11 optimiert. Wir empfehlen Mozilla Firefox , Microsoft Edge oder Google Chrome.

Das Web-App-Mag
Immer auf Tasche

Magazin

Macht für die Nacht

Veröffentlicht am:

Nachtbürgermeister*in, Nachtmanager*in, Nachtkoordinator*in – ja was denn nun? Alles nur Begriffe für eine Idee, über die wir mit Kai Winkler vom Kulturbündnis Hand in Hand e.V. gesprochen haben.

Einige Städte haben ein/e Nachtmanager*in. Die allermeisten Städte aber nicht. Warum sollte Chemnitz eine/n haben?

Ja warum denn nicht! Auch Chemnitz kann doch mal voran gehen. Wir sind schließlich Europäische Kulturhauptstadt und auch deshalb wollen wir das jetzt anschieben. Ziel ist eine sich nachhaltig entwickelnde Kulturlandschaft und da kann diese Koordinationsstelle einen wichtigen Beitrag leisten.

Das Kulturbündnis Hand in Hand e.V. und des Netzwerk für Kultur- und Jugendarbeit e.V. haben für dieses Jahr eine Art Anschubfinanzierung von 20.000 Euro für das Projekt „Nachtmanager*in“ von der Stadt genehmigt bekommen. Für was soll das Geld verwandt werden?

Viele, gerade in der Politik, können gar nichts mit dieser Idee anfangen oder haben völlig falsche Vorstellungen davon. Wir wollen die nächsten Monate nutzen, um die Notwendigkeiten zu prüfen. Dieser Prozess wird von zwei Wissenschaftlerinnen der TU Chemnitz kompetent begleitet und ausgewertet. Am Ende soll ein Konzept erstellt werden, wie diese Idee einer „Nachtkoordinationstelle“ am besten für Chemnitz anwendbar ist. Es gibt in Deutschland ja ganz verschiedene Ansätze dazu.

Du hast dich mit den Nachtmanagern aus Stuttgart und Mannheim unterhalten. Wie sind deren Erfahrungen?

Sehr positiv. In Mannheim läuft das Projekt seit drei Jahren, in den anderen Städten seit zwei Jahren oder kürzer. Das heißt, alle sammeln noch Erfahrungen. Die Projekte sind unterschiedlich angesiedelt. Manchmal beim Stadtmarketing, andere sind Teil der Wirtschaftsförderung, in Leipzig gibt es ein Duo-Modell, dass zu einem Teil direkt in der Stadtverwaltung verortet ist. Wir wollen diese Erfahrungen auswerten und für die Chemnitzer Umsetzung anpassen.

In vielen Städten ist das Nachtleben, also der Amüsierbetrieb rund um Clubs, Theater, Bars und so weiter, tatsächlich ein großer Wirtschaftsfaktor. Habt ihr einen Überblick, welche Wertschöpfung hier „in der Nacht“ stattfindet?

Aktuell kann ich nur für die Kultureinrichtungen sprechen, die im Bündnis Hand in Hand e.V. organisiert sind. Dort haben ca. 2,5 Millionen Jahresumsatz errechnet, etwa 700 Menschen sind hier Teil- oder Vollzeit beschäftigt. Wenn man das hochskaliert, auf die komplette Nachtgastronomie, auf Kinos, Theater, aber auch Taxibetriebe usw, kommt man locker auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag, der hier jährlich umgesetzt wird. Da ist ha auch viel Geld dabei, das in die Stadtkasse zurückfließt.

Was soll diese Person, wenn es sie denn gäbe, alles so machen?

Alsoooo (lacht). Allem voran ist es Netzwerkarbeit. Wenn man Problemlagen wie Ruhestörung, Sicherheit, Parkplatznot, ungenügender ÖPNV-Anschluss, mangelnde Taxis lösen will, dann macht es mehr Sinn, diese zu bündeln und somit verstärkt Gehör in der Stadtverwaltung, bei Taxiunternehmen, den Ordnungsbehörden und der CVAG zu bekommen. Auch die direkte Ansprache zu Anwohnern, die sich gestört fühlen, könnte dazugehören. Auch ein Rederecht im Stadtrat oder Ausschüssen ist wichtig. Letztendlich ist es eine Lobbystelle für die Nachtökonomie.

Und was soll diese Person nicht leisten müssen?

Es ist eben kein Bürgermeister. Sie wird keine Befugnisse bekommen, nichts bestimmen können.

Die Nachtleben-Branche ist pandemiebedingt schwer gebeutelt. Fand eure Idee in diesem Kreis überhaupt Gehör?

Auf jeden Fall. Der Wunsch nach einer solchen Ansprechperson ist groß. Überrascht haben uns aber die vielen Statements aus anderen Branchen. Alle größeren Unternehmen haben massive Personalprobleme. Die suchen Fachkräfte und benötigen Zuzug, unbedingt. Und die betonen immer wieder, dass eine attraktive Kulturlandschaft ein ganz wichtiger Faktor für neue Mitarbeiter*innen ist. Das ist in der Kommunalpolitik noch viel zu wenig angekommen.

Was sind die nächsten Schritte zu eurem Ziel?

Wir schauen, welche Fragen die Konferenz am 13. April aufwirft. Und wir werden noch weitere Veranstaltungen machen, um zu sehen, wie Bürger*innen, Unternehmen und vor allem die Stadträt*innen reagieren. Schließlich sollen unsere Bemühungen in einem Stadtratsbeschluss münden. Ziel ist ganz klar, ab 2023 diese Koordinationsstelle schaffen zu können.

Konferenz für die Chemnitzer Nachtökonomie 13.04. ab 16.00 Uhr im Carlowitz Congresscenter Chemnitz.

Interview: Lars Neuenfeld, Foto: Randy Fischer

Zurück