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Garage gesucht

Chemnitzer KünstlerInnen suchen nach dem Geheimnis hinter dem Garagentor

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Über 10.000 Garagen gibt es in Chemnitz. Was steckt drin?

Neulich gegenüber vom Kaßberg-Rossmann: Ein Zettel an einem Garagentor macht mich neugierig. Da sucht jemand Garagen, um deren Innenleben zu fotografieren. Aber nur die ohne Autos. Das interessiert mich und deshalb rufe ich die abgedruckte Nummer an. Am anderen Ende der Leitung ist Ulrike Schell und ich erfahre zunächst, dass sie nicht allein auf der Suche nach Garagen ist. Das Garagenprojekt wird gerade von der Künstlergruppe Bikini Kommando angeschoben. Obwohl ich keine Garage anbieten kann, beantwortet Ulrike bereitwillig meine Fragen.

Warum interessierst du dich für das Innenleben von Garagen?
Ich bin im Heckert groß geworden und da war so ein riesiger Garagenhof bei unserem Haus. Irgendwann ist mir aufgefallen, dass dort nur selten Autos rausfahren. Die Frage, was stattdessen in diesen Garagen drin ist, beschäftigt mich also schon lange und war Ausgangspunkt für die Fotoprojekt-Idee.

Warum glaubst du, dass sich jemand auf euer Flugblatt hin meldet?
Wenn man sich darauf konzentriert, ist die Stadt voll solcher Garagenhöfe. Jeder Stadtteil hat sie, besonders imposant natürlich dort, wo große Mietshäuser stehen, also in den DDR-Neubaugebieten Yorck, Heckert, Beimler und wie sie alle heißen. Ich hab recherchiert: In Chemnitz gibt es allein auf städtischen Boden über 80 Garagenhöfe mit über 10.000 Garagen. Der Leerstand ist gering. Da die DDR-Einheitsgarage aber von den Maßen her häufig viel zu klein für die heutigen Autos ist, muss ja irgendetwas anderes drin stehen. Wenn nur 1 % der „alternativen” Nutzer bei uns anruft, können wir schon eine hübsche Fotoserie machen.

Habt ihr schon viele solcher Zettel geklebt?
Ja, einige, aber wir sind noch nicht durch.

Was soll mit den Fotos passieren?
Wenn genug zusammen kommen, würden wir sie gern veröffentlichen. In welcher Form wissen wir noch gar nicht so genau. Vielleicht als Fotoblog, vielleicht als Buch, vielleicht im Rahmen einer Ausstellung – das ist noch ganz offen.

Was hoffst du zu entdecken?
Wir sind da ganz neugierig. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leute irgendeinem Hobby nachgehen. Vielleicht hat sich jemand ein kleines Fitnessstudio reingebaut. Oder seine Modelleisenbahn fährt darin. Bandproberäume kann ich mir gut vorstellen, auch Künstlerateliers oder Handarbeits-Werkstätten. Aber auch die klassische Schrauberwerkstatt kann spannend zum Fotografieren sein.

SM-Studios?
Wenn das jemand mag und uns fotografieren lässt, gern.

Ich könnte mir vorstellen, dass manche Nutzung so halblegal oder vielleicht auch etwas peinlich ist. Wie geht ihr damit um?
Wir behandeln alle Hinweise diskret. Wenn es jemand wünscht, bleibt die Garage natürlich anonym, also der Eigentümer muss nicht mit aufs Bild und der Bildausschnitt wird dann auch so gewählt, dass man das Umfeld nicht identifizieren kann. Ich glaube, dass das auch aus einem anderen Grund wichtig ist: Ich habe Garagen gesehen, die hatten fünf fette Schlösser am Tor. Wenn dahinter also ein Goldschatz lagert, würden wir den gern fotografieren. Uns geht es ganz wertfrei nur um das Bild, also die Garagen und was darin ist.

Du sprichst selbst von Eigentümer. Garage - das ist schon so ein Männerding, oder?
Ich glaube schon. Wir hoffen aber auch hier überrascht zu werden.

Letzte Frage: Wenn du eine Garage hättest, was würdest du darin machen?
Ich glaube, ich würde ein Atelier darin einrichten. Für mich und das ganze Bikini Kommando. Vielleicht finden wir ja auf diesem Weg auch eine coole Garage.

Foto & Interview: Lars Neuenfeld

Garagen-Tipps bitte an chemnitzgarage@gmail.com schicken oder 0371 – 53 91 70 30 anrufen.

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