Magazin

Eine musikalische Heldengeschichte

Veröffentlicht am:

Irgendwo zwischen Rock, Metalcore und hin und wieder überraschend poppigen Passagen – dort findet man die Band MALLOW aus Chemnitz. Die vier Musiker haben die Auftritt-Zwangspause genutzt und an ihrer neuen EP „Red Feather“ gearbeitet, die am 08.11.2020 veröffentlicht wurde.

Entstanden ist die Band mehr oder weniger aus Numbskull, einer typischen Schülerband. Diese veröffentlichte, von der kreativen Szene in Chemnitz beeinflusst, vor allem Songs in Richtung Punk, Rock und ersten Andeutungen von Metalcore. Aber aus den Jungs wurden Männer, Wege trennten sich und andere kreuzten sich. Die Musik wurde zunehmend erwachsener und ein „Neustart“ war die einzig logische Konsequenz. „Numbskull war Kippen und Bier mit Musik und MALLOW, das ist Musik mit Kippen und Bier.“, lacht Leopold (Poldi), einer der Gitarristen der Band. Songs lagen teilweise schon seit Jahren in der Schublade und durchliefen unterschiedlichste Bandbesetzungen, bis sie durch den offiziellen Neustart endlich umgesetzt wurden. Zusammen mit einigen neuen Liedern, wurde noch im selben Jahr (2019) die erste EP veröffentlicht.

Diese wurde vom Lyrics schreiben, über die Aufnahme, das Produzieren, bis hin zum Merchandise komplett als D.I.Y. Projekt umgesetzt. Die neue EP ist nicht mehr ganz so selfmade, dafür aber wesentlich runder. „Der do-it-yourself Gedanke verflüchtigt sich langsam, weil wir einfach einen zu hohen Anspruch an die Qualität haben und uns eingestehen mussten, dass es coole Leute gibt, die manches einfach besser können.“, meint Poldi. Somit wurden die Songs im Studio in Leipzig aufgenommen und produziert, was den Sound im Vergleich zur ersten EP harmonischer macht. Und auch sonst ist ein großer Fortschritt zu hören. Die Lieder haben wesentlich mehr Struktur, die Gitarrenriffs sind glasklar zu hören und insgesamt ist die EP melodischer. Was sich jedoch nicht geändert hat, ist die schwere Zuordenbarkeit in ein Genre. Für Rock ist es zu oft metallastig, für Metal manchmal fast zu poppig. Manchmal meint man einen Einfluss von Bands wie „A day to remember“ rauszuhören, dann erinnert es doch wieder an frühere „Bring me the horizon“ Hits. „Es ist nicht verkehrt, nicht irgendwo konkret zuordenbar zu sein, weder bei der Musik noch irgendwo anders.“, stellt Poldi fest.

Hört man „Red Feather“ von Anfang bis Ende durch erkennt man die Geschichte eines Protagonisten, der ein Ziel verfolgt, scheitert, hinterfragt und am Ende geladen mit positiver Energie auf das Erreichte zurückblickt. Nicht unbedingt die anspruchsvollste Storyline, dafür aber für jeden nachvollzieh- und -fühlbar. Das Konzept dafür entstand bei einem (damals noch möglichen) Kneipenabend der Band, nach Veröffentlichung der ersten EP. Der Prozess bis hin zur Veröffentlichung dieser war, wie eine moderne Heldengeschichte, geprägt von schlaflosen Nächten, Zweifeln und am Ende unendlich viel Stolz. Diese Gefühle verpackt in Songs ist nun nachhörbar auf Spotify und Youtube. Wie die Geschichte weiter geht? Das wissen die vier selbst noch nicht so ganz. Erstmal müssen sie sowieso Shirts besticken und Sticker verschicken, denn so ganz ohne D.I.Y. geht es halt doch nicht.

#

Text: Jenny Wittig Foto: Promo

Zurück