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Mauerkunst als Brücke

Neues Mural Art Projekt

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Fassade an der Ritterstraße

Dass junge Künstler wie Guido Günther von den alten Meistern wie Dagmar Ranft-Schinke noch einiges Lernen können und umgekehrt, will ein neues Projekt zeigen – in dem die Generationen zusammenarbeiten und so etwas ganz neues entstehen lassen.

Jede Generation muss ihren Vater töten, meint Freud. Das muss nicht sein. Zumindest nicht in Chemnitz, denn das Chemnitzer Künstler durchaus in der Lage sind, generationenübergreifend zu kooperieren, ist derzeit an der Ritterstraße zu betrachten. Dort sind nämlich gerade Street-Art-Künstler zugange, die ein Kunstwerk an einen Giebel malen, das auf einer Grafik der Künstlerin Dagmar Ranft-Schinke basiert.

Dahinter steckt das Projekt „Mural Trail“ mit dem Untertitel „Alte Meister und Junge Wilde“, welche Generationen von Kunstschaffenden zusammenbringen soll. „Die haben früher dasselbe gemacht, wie wir heute. Sie haben sich getroffen und über Maltechniken ausgetauscht – nur das eben 40 Jahre dazwischen liegen“, erklärt Guido Günther. Die 90er, Europa, die Wende, viel ist seitdem passiert. Mit dem „Mural Art Trail“, wollen die jungen Wilden von damals mit den Künstlern von heute eine Brücke bauen. Deshalb suchten Guido Günther und Marcus Esche den Kontakt zu Mitgliedern der früheren Künstlergruppe Clara Mosch, die in den 70er und 80er Jahren für Furore sorgte.

Dagmar Ranft-Schinke zeigte sich schnell begeistert von der Idee eines gemeinsamen Projektes. Das nimmt nun Gestalt an – für die Öffentlichkeit sichtbar an der Ritterstraße. Dort wird die Zusammenarbeit nicht in Stein gemeißelt, sondern auf Mauern gemalt. Doch nicht nur im Freien wurde das Team aktiv. „Wir tauschen Leinwände und übermalen sie gegenseitig“, erzählt Günther. Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit sind ab dem 10. Oktober für einen Monat in der „Rebel Art Galerie“ auf dem Brühl zu sehen. Inhaltlich gibt es bei den Künstlern einige Anknüpfungspunkte. Während die Künstler damals noch mit ihrem Schaffen die Staatssicherheit und andere Gitterstäbe der DDR kritisierten, so haben die Künstler von heute eigene Themen, an denen sie sich abarbeiten. „Klimawandel spielt in meiner Malerei eine große Rolle“, so Günther, aber auch System- und Kapitalismuskritik würde sich durch das Schaffen von ihm und seinen Kollegen ziehen. „Für uns ist das ein Abklatschen, es muss ja weitergehen und irgendjemand wird immer der junge Wilde sein“, so Guido Günther – der künftig mit weiteren „alten Meistern“ zusammenarbeiten möchte.

Text: Sarah Hofmann Foto: privat
 

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