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Rohkost in New York

Unterwegs Teil 18

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Tina Stapel im "Johanna's raw foods" in New York

Ballermann, Petersdom, Ostseestrand – diese Reiseziele können sich vor dem jährlichen Touristenansturm kaum retten. Das 371 interessiert sich für Menschen, die ganz andere Reisen unternehmen.

Eine so genannte Rohkost-Ernährung umfasst nahezu jedes Lebensmittel, so lang es frisch und unerhitzt ist. Dadurch bleiben empfindliche Stoffe wie Vitamin C besser erhalten und Reaktionsprodukte, die durch Erhitzen entstehen, werden vom Menschen nicht aufgenommen. Superfood also. In Deutschland ist dieser Trend noch nicht so weit verbreitet, Tina Stapel aus Chemnitz aber lebt nunmehr seit 4 Monaten nach diesen Ideen – angefangen hat das alles in New York.

Die 24-Jährige hatte genug von ihrem Bürojob. Nach einem BA-Studium in Gesundheitsmanagement und der Arbeit beim Bayerischen Roten Kreuz beschloss sie Anfang dieses Jahres, einen Neuanfang zu wagen. Da sie sich schon lange für Ernährung interessierte, kam ihr eine angebotene Praktikumsstelle bei ‚Johanna’s raw foods‘ gerade recht. Dieses Selfmade-Unternehmen stellt vegane und glutenfreie Rohkost-Snacks her und beliefert damit bereits etliche Läden in New York City. Und auch Johanna, die bereits seit 20 Jahren raw-foodist ist, schmiss ihren Job als Anwalts-Übersetzerin, um ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Der Kontakt zu Johanna entstand über Tinas Freund, Timo Stocker, der vor acht Jahren in Amerika beim Hausbau half. „Damals hat er schon dieses gesunde Essen mit nach Hause gebracht und der Kontakt ist nie abgebrochen.“ Ihre Aufgaben während des Praktikums waren dabei breit gefächert, von Kartons packen und Rezepte aufschreiben bis hin zur Produktion und Auslieferung nach New York City war alles dabei. Dabei lernte sie auch die Ernährung der Amerikaner besser kennen: „Generell isst man dort echt viel Junk Food und es gibt viel Scheiß, für einen Dollar eklige Burger oder Pizza“, bestätigt sie damit jedes Klischee. „Während meiner ersten Urlaubswoche in New York habe ich auch nur sowas gegessen“, erklärt Tina. „Aber seit ich bei Johanna war, habe ich meine Ernährung komplett umgestellt.“ Anfangs wäre es nicht gerade leicht und für ihren Körper eine richtige Entgiftung gewesen, der Unterschied in Gesundheit und Wohlbefinden zu vorher sei jetzt aber umso deutlicher.

Im nächsten Jahr will die Chemnitzerin nun ein Fernstudium zur Gesundheitsberaterin anfangen, bis dahin beschäftigt sie sich auch in ihrer Freizeit intensiv mit raw food. Auf ihrem eigenen Youtube-Channel will sie ab sofort Kochvideos hochladen und so ein paar Menschen zur Rohkost-Ernährung aufklären. „So kann ich den Leuten auch Fragen beantworten und ihnen zeigen, dass es gar nicht so schwer ist, sich so zu ernähren.“
www.turtlelyrawfoods.com

Text: Lisa Kühnert Foto: privat

Erschienen im 371 Stadtmagazin 10/14

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