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Chemnitz steckt voller Kulturgeschichten, aber auch in lokalen Unternehmen schlummert Erzählenswertes. Ein Chemnitzer Familienbetrieb, der Produkte in die Formel 1 liefert? Wir waren neugierig und haben nachgefragt.
Als wir Mareike Israel, Geschäftsführerin der arwus GmbH, treffen, prasselt Regen auf die flachen Hallen des Eubaer Gewerbegebiets. Drinnen empfängt uns statt grauer Tristesse das Brummen der Produktion und eine Geschichte, die schon vor der Firmengründung begann.
Mareikes Vater Christian Israel hatte zwar vorher schon geniale Ideen, erlangte aber vom DDR-Regime keine Erlaubnis für eine Selbstständigkeit, denn das planwirtschaftliche Vorbild der Sowjetunion hatte kaum Platz für selbstplanende Visionäre. Zwischen 1952 und 1972 fiel zum Beispiel die Zahl der Selbstständigen in einzelnen Wirtschaftsbereichen wie der Forstwirtschaft von 1,2 Millionen auf etwa 1.000 Personen. Also entschied Mareikes Mutter stattdessen eine Gerberei zu gründen, dessen Räume dann 1991 zur Gründung eines Technologie-Familien-Unternehmens gedient haben. Die Grundlage für eine Erfindung, die niemand Chemnitz zuordnen würde und nun auch bei Rewe, Edeka und Ikea zum Einsatz kommt.
Habt ihr euch schonmal gefragt, welche Technologie verhindert, dass es an einer offenen Ladentür nicht so unangenehm zieht? Das passiert immer dann, wenn warme Luft auf kalte Luft trifft. Um das zu verhindern bläst der klassische Luftschleier warme Luft in einem Türrahmen von oben nach unten in den Raum zurück. Der Luftzug bleibt allerdings trotzdem. Bei stärkeren Temperaturunterschieden wird es noch schwieriger Die Erfindung der Luftschottanlagen von arwus ermöglicht, dass sogar Tiefkühllager mit -25 Grad ohne Probleme an einer offenen Tür direkt auf +15 Grad treffen können. Bei einem ihrer ersten größeren Projekte hat es die Chemnitzer Ingenieurskunst sogar in die Boxengassen der Formel 1 in Abu Dhabi geschafft, wo diese Technik angenehme 25 Grad Innentemperatur von den unnachgiebigen 45 Grad Außentemperatur trennt.
"Das war für uns damals tatsächlich ein Riesenprojekt", erinnert sich Mareike. Damals produzierten sie noch in einer einfachen Werkstatt im Hof eines Mehrfamilienhauses. "Maschinen gab es so gut wie keine. Alles wurde per Hand hergestellt. Und dann die Sorge um den Transport. Wochenlang waren die Anlagen durch die Weltmeere unterwegs, bis sie endlich in der Wüste ankamen. Es funktionierte und die Anlagen stehen heute noch.”
Diese Technik aus Chemnitz ist weltweit gefragt, trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahre. Die Pandemie wurde für das Unternehmen sogar zum Innovationsschub: Kurzarbeit nutzte man, um Abläufe zu überdenken, die Digitalisierung voranzutreiben und Prozesse neu zu überdenken. 2020 übergab Mareikes Vater Ihr den Staffelstab und Sie übernahm neben Germo Ritzmann offiziell die kaufmännische Geschäftsführung - als Frau in einer Männerdomäne. „Du musst immer 130 Prozent geben, damit du akzeptiert wirst.“, sagt sie.
Bei arwus arbeitet man an unsichtbaren Lösungen für alltägliche Probleme - von der Chemnitzer Innenstadt bis zur Formel 1. Obwohl überall Stellen abgebaut werden, plant die arwus schon den nächsten Schritt und sucht nach Vertrieblern, Monteuren oder Mitarbeiter für die Produktion. Mehr unter arwus.de.
Text: Marco Henkel | Fotos: arwus