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Die Fichtel vom Weihnachtsmarkt

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Ach herrje, ist das Jahr schon wieder herum? Dann wird es aber höchste Zeit für ein Weihnachtsmärchen!

Als Anfang November der Weihnachtsbaum auf dem Chemnitzer Markt eintraf, versteckten sich im dichten Nadelkleid die „Fichtel”: Hunderte kleiner Fichten-Wichtel, eingekringelt in ausgehöhlten Zapfen, bis sie in der Nacht nach ihrer Ankunft von den Ästen sprangen. Dabei spreizten sie die Schuppen ihrer Fichtenzapfen, sodass sie mit Luftwiderstand und wie mit einem Fallschirm sanft wie Schneeflocken zu Boden glitten. Dabei mussten sie ihre kunstvoll aus Fichtennadeln geflochtenen Hüte festhalten, damit sie ihnen nicht von ihren Köpfen

flögen.

Unten angekommen kannten sie nur ein Ziel: Sich hinein ins Baumloch kugeln und ab unter die Erde! Dort warteten sie bis zu dem Tag, an dem rund um den Baum die Sitzbänke montiert wurden. Die Bänke bildeten die Deckung für fichtelige Wunder, die – von den Menschen meist unbemerkt – direkt in unserer Mitte geschahen. Während der Weihnachtsmarkt für die Menschen aufgebaut wurde, begannen auch die Wichtel mit ihrer Arbeit. Sie bohrten und

hämmerten, schraubten und sägten und nur weil es auf dem Marktplatz noch lauter zuging, hörten es die meisten Menschen nicht. Nur aufmerksame Kinder und neugierige Hunde haben es bemerkt, aber beide wurden immerzu fortgezogen, wenn sie am Baum stehen blieben

und lauschten.

Am 29. November eröffneten die Fichtel ihren verborgenen Weihnachtsmarkt. Betreten dürfen ihn nur die allzu schnell vergessenen Bewohner der Stadt: Mäuse und Eichhörnchen, Vögel und Igel gesellen sich in den Dezembernächten heimlich zum Weihnachtsbaum. Unter den Bänken sorgen Lichterketten für gemütliche Stimmung, eine kleine Pyramide dreht ihre Runden und selbst ein winziger Baum unter dem Baum begrüßt die tierischen Gäste. An den Marktständen stehen die Fichtel und bieten geröstete Mandeln und Esskastanien, Fruchtpunsch und Bratäpfel an. Für die besonderen Geschmäcker gibt es Leckerbissen wie gegrillte Mehlwürmer, gebackene Larven oder Stollen aus Insektenmehl, worauf wir Menschen – bislang – auf unserem Weihnachtsmarkt verzichten. Die kleinen Tiere, die den Winter so beschwerlich überstehen müssen, finden bei den Fichteln Wärme, Ruhe und ein nettes Gespräch, bevor sie am frühen Morgen wieder in die Kälte huschen.

Nun kann ich verstehen, dass Dich diese Geschichte neugierig gemacht hat. Am liebsten würdest Du bestimmt selbst einmal nachschauen, ob sich dieser Markt wirklich unter unserem Chemnitzer Weihnachtsbaum verbirgt! Aber so würdest Du die Fichtel und ihre Freunde verschrecken. Sie würden ihre Buden verlassen müssen und vielleicht nie mehr zurück nach Chemnitz kommen. Könntest Du damit leben, den Tieren ihren Weihnachtsmarkt genommen zu haben?

Mach es doch lieber selbst wie die Fichtel und organisiere einen eigenen Wohlfühlort für die Wildtiere im Winter. Dazu braucht es nicht viel: Einen Eimer mit Vogelfutter aus dem Gartenmarkt, eine Schale mit Nüssen im Garten oder auf dem Balkon oder ein gut gefülltes Vogelhäuschen im Hof. Natürlich kannst Du auch noch mehr machen, ganz wie Du Zeit und Fantasie hast. Hauptsache Du hilfst dabei, dass der Advent für jeden und überall zum Fest werden kann.

Du willst noch mehr Märchen? Am 6. Dezember feiert das fünfte Chemnitzer Märchenbuch seine Premiere! Alle Infos und noch mehr Termine gibt’s auf www.maerchenbuch-chemnitz.de

Text: Marcus Lehmann

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